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Kunst und konkrete Intervention Die Künstlergruppe WochenKlausur führt seit 1993 soziale Interventionen durch. Der Begriff der Intervention wird in der Kunst heute vielleicht ein wenig inflationär - für jede Art der Veränderung - eingesetzt. Auf Einladung von Kunstinstitutionen entwickelt die Gruppe demgegenüber kleine, aber sehr konkrete Vorschläge zur Veränderung gesellschaftspolitischer Defizite und setzt diese auch um. In Anlehnung an viele Künstler des 20. Jahrhunderts, die es verstanden, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten, betrachtet die WochenKlausur den Kunstbetrieb als eine Möglichkeit, längerfristige Verbesserungen des Zusammenlebens zu erzielen. Kreative Kompetenzen, in der Kunst traditionell zur Lösung formaler Probleme eingesetzt, können auf allen möglichen Bereichen der Gesellschaft, in Ökologie, Bildung, Städteplanung Anwendung finden. Überall gibt es Probleme, die sich auf konventionellem Weg nicht lösen lassen und als Thema für ein Kunstprojekt herangezogen werden könnten. Die WochenKlausur möchte mit ihrer Arbeit zeigen, dass bestimmte Lebensbedingungen nicht notwendigerweise so sein müssen, wie sie sind. Theoretisch bestehen keine Unterschiede zwischen einem Künstler, der sein Bestes tut, um ein Bild zu malen, und Künstlern, die ihr Bestes tun, um ein bestimmtes Problem in unserer Gesellschaft zu lösen. Die selbst gewählte Aufgabe muss jedoch, wie in der Malerei, präzise definiert sein. Interventionskunst ist nur effektiv, wenn genau feststeht, welche Problemlösung erzielt werden soll. Die Gruppe Begonnen hat alles im Winter 1992. Von der Wiener Secession eingeladen, beschloss eine Gruppe von Künstlern und Künstlerinnen damals für die Dauer einer Ausstellung in "Klausur" zu gehen, um an der Lösung eines ortsspezifischen Problems zu arbeiten und eine medizinische Versorgung Obdachloser einzurichten. Seither betreut eine fahrende Ambulanz monatlich über 700 Patienten ohne Krankenschein und ohne Kosten für die Betroffenen. Es folgte eine Einladung der Shedhalle Zürich, wo das Team - diesmal bereits mit dem Namen WochenKlausur - und in etwas anderer Besatzung eine Pension für drogenkonsumierende Frauen aufbaute. Ein Jahr danach gründete die Gruppe in Civitella d´Agliano ein Café mit Bocciabahn für die älteren Bewohner. In Graz konnte sieben Ausländern zum legalen Aufenthalt in Österreich verholfen werden. Dreizehn Projekte konnten während der letzten Jahre in alternierender Besetzung erfolgreich durchgeführt werden in Berlin, Venedig, Fukuoka und anderen Städten. Insgesamt waren über vierzig Künstler beteiligt. Der Kern des Vereins besteht heute aus vier KünstlerInnen, die alle an mehreren Projekten teilgenommen haben (Pascale Jeannée, Stefania Pitscheider, Erich Steurer und Wolfgang Zinggl). Das Büro der WochenKlausur befindet sich in einem ehemaligen Geschäftslokal in der Gumpendorferstraße in Wien. Es ist für die Konzeption und Organisation neuer Interventionen zuständig, kümmert sich um die Miteinbeziehung von Künstlern aus dem jeweiligen Projektort und unterstützt die professionelle Abwicklung und Nachbetreuung. Darüber hinaus dient es auch als Informationszentrale für aktivistische Kunst. Arbeitsweise Wie der Name WochenKlausur ausdrückt, setzen die Projekte den vollen Einsatz eines Teams (5-7 Personen) in einem begrenzten Zeitraum (etwa acht Wochen) voraus. Der knappe Zeitrahmen konzentriert Energien, die normalerweise auf Monate verteilt werden, und ermöglicht dadurch eine rasche Verwirklichung der geplanten Interventionen. Voraussetzung für jede Intervention ist die Einladung einer Kunstinstitution, die das kulturelle Kapital und den infrastrukturellen Rahmen zur Verfügung stellt. Die Ausstellungsräume dienen als Atelier, von dem aus die Intervention durchgeführt wird. Es liegt an der Gruppe, sich im vorhinein über die lokalpolitischen Gegebenheiten zu informieren und eine entsprechende Intervention vorzuschlagen. Nur die wenigsten Kunstinstitutionen sind bisher mit einem konkreten Wunsch an die WochenKlausur herangetreten. Nach eingehender Recherche wird dann die endgültige Entscheidung, was tatsächlich verwirklicht werden soll, getroffen. Zur Umsetzung der Projekte bedarf es oft ausgefeilter Tricks oder neuer, unorthodoxer Herangehensweisen. In Ottensheim, einer kleinen Gemeinde in Oberösterreich, entwickelte die Gruppe beispielsweise ein Bürgerbeteiligungsmodell für kommunalpolitische Entscheidungen. Ein Teil der Strategie zur Verwirklichung dieses Gedankens war der Bau einer Skaterbahn für die Jugendlichen. Die Gruppe dachte, dass eine solche sportliche Einrichtung für Jugendliche keinerlei Gegner haben würde. Hatte sie auch nicht, es konnte lediglich keine parteipolitische Einigung über den Standort der Skaterbahn erzielt werden. Um eine Entscheidung herbeizuführen, stellte die WochenKlausur die Holzrampe kurzerhand im historischen Ortskern auf. Drei Tage später verkündete der Bürgermeister dann den tatsächlichen Standort am Donaugelände. Trickreiches Vorgehen war auch gefragt, als es beim ersten Projekt darum ging, die kontinuierlichen Ärztekosten für einen Obdachlosenbus zu decken. Die Intervention neigte sich bereits dem Ende zu, ohne dass die zuständige Stadträtin eine Finanzierungszusage gegeben hatte. Das gelang in letzter Minute durch die Unterstützung eines Korrespondenten der Zeitschrift Spiegel, der zwar keinen Bericht schreiben wollte, gegenüber der Stadträtin aber über das Projekt zu recherchieren vorgab. Aus Furcht, der Spiegel könnte negativ über die Stadtpolitik berichten, sagte die Stadträtin eine Finanzierung der laufenden Ärztekosten über ihr Budget zu. Die WochenKlausur agiert mit konkreten Zielsetzungen. Ist der Prozess abgeschlossen, kann man ablesen, wieviel von dem Vorhaben gelungen ist. Es ist dann Sache der Kritik, die Intention mit dem Ergebnis zu vergleichen.
1993 Wiener Secession / Obdachlosigkeit 1994 Shedhalle Zürich / Drogenproblematik 1994 Progetto Civitella d'Agliano / Einrichtung
eines Altenzentrums 1995 steirischer herbst / Ausländerbeschäftigung 1996 Hochschule für angewandte Kunst
Wien / Schule 1996 Salzburger Kunstverein / Schubhaft
1997 festival der regionen / Ortsentwicklung 1998 NGBK, Kunstamt Kreuzberg / Arbeitsmarkt 1998 Europäischer Kulturmonat /
Upcycling 1999 Biennale Venedig / Sprachschulen
im Kosovo 1999 Museum City Project / Projektunterricht
in Japan 2000 Donau Universität und Kunsthalle
Krems / Bürgerbeteiligung 2000 Institut für moderne Kunst
Nürnberg, log. in / Streitkultur 2001 Sieben österreichische Kulturinitiativen/
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