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06 2013
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Übersetzung als Filter

Übersetzt aus dem Englischen von Birgit Mennel

Naoki Sakai

Naoki Sakai

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Birgit Mennel (translation)

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a communality that cannot speak: europe in translation

Wenn wir versuchen, Übersetzung zu erklären, sprechen wir zu oft und zu vereinfachend so von Übersetzung, als wäre ihr zentrales Ziel, die Übertragung eines in einer Sprache geschriebenen Textes in einen Text in einer anderen Sprache. Ich entscheide mich hier genau darum für dieses Kompositum „zentrales Ziel“ („Primärlinse“, shugan), weil eine konzeptuelle Eingrenzung des nahezu immer metaphorisch verwendeten Wortes „Übersetzung“ schwierig ist. Wir könnten sagen, dass der Übersetzung ein Moment der Vervielfältigung eignet, da sie flexibel eingesetzt wird: Sie kann sich auf ein einziges Wort oder eine Kombination von einigen wenigen Wörtern ebenso beziehen wie auf eine Aussage, einen Absatz, ein einziges Werk und schließlich sogar auf das Gesamtwerk eine_r Autor_in.

Wenn wir die Übersetzung eines einzelnen Werks in Betracht ziehen, wie etwa die Übersetzung der Aufzeichnungen aus dem Untergrund, so können wir auch an die Übersetzung der gesammelten Werke jenes Autors denken, der als Dostojewski bekannt ist. Das heißt, Übersetzung ermöglicht es uns, von einer Abfolge zu sprechen, als handle es sich um ein einzelnes Bündel oder eine Assemblage. Wir können uns auf diese Weise vom Kommensurablen zu einer Einheit zu bewegen, die durch eine Kombinatorik aus dem Mannigfaltigen ausgestaltet wird.

Und in eben diesem Sinn funktioniert Übersetzung als eine Überschreitung der engen Bedeutung von Sprache. Ein Roman wird in einen Film übersetzt, ebenso wie eine politische Idee in eine Aktion übersetzt werden kann. Das kreative Potential menschlicher Wesen kann in Kapital übersetzt werden, ihr Begehren in Träume und ihre Aspirationen in Parlamentssitze. Übersetzung durchmisst die Intervalle verschiedener Bedeutungsinstanzen, zirkuliert in ihnen und fügt diskontinuierliche Kontexte zusammen. Übersetzung wird folglich als etwas besonders metaphorisches innerhalb der Metapher selbst verstanden. Sie ist also eine „Metapher der Metapher“.

Wir dürfen nicht vergessen, dass der Begriff  Übersetzung einen doppelten Sinngehalt hat. Übersetzung ist die Arbeit bzw. der Prozess des Neuschreibens und des Neudarstellens. Sie ist jedoch zugleich der Text, der das Ergebnis dieser Arbeit bzw. dieses Prozesses ist. Wird von der Übersetzung von Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit gesprochen, so verweist das zum einen auf die Aufgabe, den Originaltext in einem anderen Medium wiederzugeben, und ist gleichzeitig auch gleichbedeutend mit dem neuen Text, der als Ergebnis aus dieser Arbeit hervorgeht. Die Arbeit der Übersetzung unterscheidet sich von Anfang an von einer literarischen Schöpfung, insofern Übersetzung den Charakter einer im Zitat entfalteten Nachahmung hat. Es ist möglich, Worte, Sätze, Bücher, Bilder, menschliche Handlungen usw. zu zitieren. Der zitierte Referent wird jedoch als eine Assemblage oder als ein Bündel [hitomatome] dargestellt. Zitieren bedeutet, „etwas an einen anderen Ort verlagern“ und gleichzeitig „zusammenfügen oder bündeln“. Zitieren ist, anders formuliert, ein Akt der Vereinheitlichung. Im Fall von etwas nicht Zitierbaren können wir nicht von Übersetzung sprechen. Was nicht zitiert werden kann ist, ist nicht übersetzbar. Das Zitierte wird aus dem eigentlichen Kontext des Zitats abgesondert – der zitierte Text hat eine andere Zeitlichkeit als der Kontext des Zitats. Genau aus diesem Grund kann Übersetzung etwas wie das „Nachleben“ eines Werkes sein. Doch Übersetzung ist niemals ohne jeglichen Bezug zum Original. Übersetzung ist eine „Wiederholung“ des zitierten Originaltexts. Die Tatsache, dass sich die ursprüngliche Arbeit und die Übersetzung wechselseitig aufeinander beziehen, verweist weder darauf, dass sie dieselbe Botschaft beinhalten, noch dass sie dieselbe Bedeutung vermitteln. Gleichwohl wohnt der Übersetzung ein nicht unwesentliches kreatives Moment inne, nämlich die mit der Wiederholung einhergehende Kreativität.

In diesem Text beabsichtige ich, die Möglichkeit der Übersetzung von dem Fluch zu befreien, mit dem sie durch eine um das Bild der Mitteilung organisierte Sicht auf Übersetzung belegt ist: die Mitteilung eines in einer Sprache geschriebenen Textes in eine andere. Übersetzung ist keine auf das geschriebene Wort beschränkte Aufgabe, sondern ein Konzept, das uns die Möglichkeit gibt, das soziale Handeln im Allgemeinen neu zu prüfen. Sie eröffnet einen gewinnbringenden Weg für eine Untersuchung der Sozialität selbst. Trotzdem hat die traditionelle Sicht auf Übersetzung diese mächtige Sozialität ignoriert, von der die Übersetzung durchdrungen ist, da sie Anteil hatte an der Substanzialisierung „nationaler“ und „ethnischer“ Sprachen. Es versteht sich von selbst, dass das von mir hier angebotene Argument hinsichtlich Übersetzung sorgfältig darum bemüht ist, einer anderen – als Phonozentrismus bekannten – systematischen Differenzierbarkeit vorzubeugen,  nämlich der Differenzierbarkeit zwischen dem Schriftlichen und dem Mündlichen. Doch das ist nicht alles. Unter „Text“ verstehe ich weder die traditionelle Sicht auf den auf Dokumente oder Bücher reduzierten Text, noch übernehme ich die weitverbreitete Dichotomie zwischen der praktischen Aufgabe einer mündlichen Interpretation (tsūyaku) und einer Übersetzung (honyaku) von Schriften, Philosophie und Literatur in geschriebener Form. Ich akzeptiere die Unterscheidung zwischen Dolmetschen und Übersetzen einfach nicht, gerade weil ich untersuchen will, wie zum einen die Metapher verwendet wird, von der die Situation der Übersetzung durchdrungen ist, und gleichzeitig die traditionelle Sicht auf Übersetzung historisieren möchte.

Wenn wir uns Übersetzung konkret ansehen, müssen wir nicht nur sehr vorsichtig sein, im Umgang damit, wie eine Trope funktioniert, sondern auch, wie sie versagt. In anderen Worten: Damit wir in der Diskussion über Übersetzung Verschiebungen erreichen können, müssen wir nicht nur die Grundkonzepte verändern, sondern auch die von uns zum Einsatz gebrachten Tropen und Darstellungsformen. Heute muss eben jene Annahme genau unter die Lupe genommen werden, die besagt, dass eine Sprache ihr Innen und Außen hat. Wir müssen jenes Übersetzungsregime in Frage stellen, demzufolge eine Sprache einer anderen gegenüber als räumlich äußerlich und ausschließend dargestellt wird. Ich habe dieses Übersetzungsregime, in dem Übersetzung durch die strikte Unterscheidung zwischen dem Innen und Außen einer Sprache repräsentiert wird, als „homolinguale Adressierung“ bezeichnet. Meiner Ansicht nach müssen wir das Stigma dieses Übersetzungsregimes historisieren, während wir gleichzeitig Übersetzung als eine „heterolinguale Adressierung“ zu denken beginnen.[1] Die „homolinguale Adressierung“ bezieht ihre Legitimität aus der Vision einer modernen internationalen Welt, die aus der Gegenüberstellung staatlicher Souveränitäten sowie aus sich gegenseitig anerkennenden Nationalstaaten besteht. Selbstverständlich bestärken sich die internationale Welt und der Nationalstaat gegenseitig und bilden ein System der Komplizinnenschaft. Um diese traditionelle Sichtweise auf Übersetzung zu entwirren und die Tropen der Übersetzung neu zu kombinieren, sodass sie in Richtung eines Forums zur Erklärung von Sozialität weisen, liefert uns die Trope „Übersetzung als Filter“ das passende Thema. Versuchen wir daher, ausgehend vom Titel dieses Artikels über Übersetzung nachzudenken.

Zum Titel

Der Titel „Übersetzung als Filter“ wurde mir eher angeboten, als dass ich ihn vorgeschlagen hätte. Da aber dieser Titel der Anlass dafür war, den vorliegenden Text zu schreiben, sollte ich die Beziehung zwischen dem Titel und dem hier von mir entwickelten Argument doch kurz ausführen. Ich habe den Titel akzeptiert, aber nicht, weil er ein Leitfaden für die Diskussion von Übersetzung ist, die ich hier entwickeln möchte, und auch nicht, weil ich ein besonderes Interesse an diesem Titel als meinem Thema habe und ihn darum rechtfertigen müsste. Ich wage auch nicht zu behaupten, dass dieser Titel mein Argument richtig zusammenfasst. Mein Interesse wurde vielmehr dadurch angeregt, dass dieser Titel eine gewisse Komplexität hat, die sich nicht auf eine typische Weise auflösen lässt. Er beinhaltet zahlreiche Fallen, in die Diskussionen zu Übersetzung oft getappt sind. Ich beabsichtige hier daher, diesen Titel als Sprungbrett für eine Diskussion zu verwenden und seine Komplexitäten zu entflechten, um so vielleicht einen Ausweg aus der traditionellen Sicht auf Übersetzung zu finden.

Der Titel dieses Textes könnte provokant wirken. Aber für einige Leser_innen mag er auch hohl klingen, da er nur wenige unerwartete Einsichten eröffnet. Wenn ich behaupte, er klingt provokant, dann sage ich das deshalb, weil dieser Titel – wie die Auflösung eines Rätsels – zu vielfältigen Interpretationen auffordert und für mannigfaltige Definitionen offen steht. Auf den ersten Blick scheint der Vorschlag einer metaphorischen Beziehung zwischen Übersetzung und einem Filter nachvollziehbar. Tatsächlich jedoch stellt sich rasch ein nagendes Gefühl des Unverständnisses ein. Die Verbindung von „Übersetzung“ und „Filter“ enthält zu viele unbestimmte Elemente, die zwischen diese beiden Begriffe treten, was schließlich dazu führt, dass sogar das provisorische Urteil „Übersetzung ist wie ein Filter“ diesen Titel unmittelbar inakzeptabel werden lässt. Wie und als Ergebnis welcher Aspekte kann der Begriff „Filter“ zu einer Metapher für Übersetzung werden? Verunmöglicht nicht genau die Verwendung des Begriffs „Filter“ das Überwinden der Einschränkungen, die der Filter der Übersetzung auferlegt? Ich behaupte dagegen, dass wir, um ein solches metaphorisches Urteil zu verstehen, berücksichtigen müssen, dass uns etwas Wichtiges fehlt, dass wir eine überzeugendere Erklärung brauchen.

Trotzdem nimmt dieser Titel eine bestimmte Auffassung von Übersetzung vorweg – und der Seinsmodus, den der Begriff „Filter“ beschreibt, bringt diese Auffassung perfekt zum Ausdruck. In der traditionellen Auffassung wird Übersetzung oft so begriffen, als würde sich eine bereits festgelegte „Bedeutung“ über eine Barriere hinwegsetzen. Und die Figur des Filters bestätigt diese Repräsentation von Übersetzung. Aus einer solchen Perspektive ist der Filter ein Vorhang oder eine Barriere, die von einem veränderlichen Vermittler durchdrungen wird. Es ist offensichtlich, dass der Begriff „Filter“ etwas beschreibt, das es bestimmten Dingen erlaubt, zu passieren, während andere blockiert werden. Eine blockierende Einheit nimmt also nur dann die Charakteristika eines Filters an, wenn Durchlässigkeit und Undurchlässigkeit koexistieren. Präzise gesagt, ein Filter ist eine halbdurchlässige Membran. Durchlässigkeit setzt die Existenz eines Vermittlers voraus, der sie durchquert. Und deshalb ist Durchlässigkeit auch von Strömungen und Bewegungen durchzogen. Dadurch dass ein Filter eine Strömung dämmt, die eine bestimmte Gerichtetheit hat, wird er von diesem Vermittler unter Druck gesetzt. Inspiriert von dieser Figur einer „Übersetzung als Filter“, können wir uns daher leider vorstellen, dass Übersetzung eine Situation ist, die nur dann entsteht, wenn es zwei Seiten gibt: Etwas strömt hindurch und etwas anderes strömt nicht hindurch. In dieser Sicht auf Übersetzung wird die Koexistenz von Durchlässigkeit und Undurchlässigkeit vorausgesetzt, und folglich muss es eine gerichtete Strömung geben. Darüber hinaus verweist der Filter auf den Ort, an dem ein Vorhang oder eine Barriere ein Hindernis bildet. Dieser Ort wird oft als eine Linie gedacht, die eine Oberfläche in zwei Teile teilt, oder als eine Oberfläche, die einen Raum zweiteilt. Die grundlegende materielle Eigenschaft eines Filters besteht darin, etwas Behinderndes zu sein, etwas, das Bewegung verhindert, selbst wenn es löchrig oder durchlässig ist. In diesem Filter sammeln und stauen sich folglich all jene Dinge, die nicht durch ihn hindurchdringen können. Die vorher frei zirkulierenden undurchlässigen Objekte werden also im Ergebnis am Ort des Filters festgehalten und daran gehindert, durch ihn hindurch auf die andere Seite zu gelangen. Das ist die Metapher, die als erstes auftaucht, wenn wir die Begriffe „Übersetzung“ und „Filter“ miteinander verknüpfen.

Am Ausgangspunkt dieser Trope wird häufig auf eine wesentliche Funktion von Übersetzung angespielt. Ein Filter wählt aus einem Gemisch aus und führt dann eine Klassifizierung danach durch, was durchgelassen wird und was nicht. Der Akt des Filterns besteht genau in der Unterscheidung dessen, was passieren kann und was nicht, das heißt, der Begriff „Filter“ verweist immer auf den Akt des Filterns. Praktisch gesprochen, hat sich die Funktion des Filterns als metaphorische Assoziation oftmals ihren Weg in die Diskussion über Übersetzung gebahnt. In anderen Worten, wir stoßen genau hier auf die Fallen, die der metaphorischen Feststellung „Übersetzung ist wie ein Filter“ innewohnen.

Mitteilung und Übersetzung

Die Unterscheidungsfunktion des Filters beschränkt sich nicht auf die Klassifikation dessen, was durchgelassen wird oder nicht. Der Filter teilt auch einen Raum in zwei unterschiedliche Bereiche ein, die mutmaßlich auf dieser und jener Seite miteinander verbunden sind. Er spaltet einen zusammenhängenden Raum in zwei Räume. Diese filternde Funktion ist nur möglich, wenn das Filtern nur in eine Richtung erfolgt, wenn der Filter als Schwelle wirkt und die auf- und absteigenden Ströme nicht vermischt werden. Durch diese ausschließende Aufteilung des Raums eignet sich der Filter eine weitere Trope der Unterscheidung an, nämlich die der Grenze. Der Filter nimmt folglich den Sinn einer nationalen Grenze oder Einhegung an, das heißt, er teilt nicht nur den Raum auf, sondern auch die Oberfläche. Die nationale Grenze unterscheidet zum einen zwischen jenen, die sie übertreten dürfen, und jenen, die das nicht dürfen. Sie ist zudem der Ort der Zollgrenze. Sie trifft also eine Unterscheidung zwischen gewissen Dingen, die diese Grenze passieren dürfen, und anderen, die das nicht dürfen. Die nationale Grenze bildet zum anderen aber auch den äußeren Rand der Territorialität der Souveränität eines Nationalstaats. Wird die Grenze überschritten, so wird die auf der einen Seite wirkmächtige Souveränität des Nationalstaats auf der anderen Seite ungültig. In anderen Worten: Die Einhegung ist ein Dispositiv, das zwischen denen unterscheidet, die eintreten dürfen, und jenen, die das nicht dürfen, das aber gleichzeitig den Außenrand des Landes als Eigentum markiert. Die Figur des Filters kann demzufolge dahingehend erweitert werden, dass sie heterogene Gebiete auf einer Oberfläche unterscheidet, dass sie auf dem Land Abgrenzungen zwischen Innen und Außen einführt und Souveränität sowie Eigentum kartographiert. Auf diese Weise beherrscht sie die Mitteilung zwischen Gebieten. In unserer Untersuchung der Übersetzung erhält der Filter somit noch eine weitere metaphorische Funktion: Übersetzung dient als eine Grenze, die den Raum differenziert. Ihre Rolle besteht darin, eine Schwelle in den Raum einzuführen.

Es ist nicht besonders schwierig, zu verstehen, wie die verschiedenen Charakteristika der Sprache in dieser Ökonomie der Trope artikuliert werden. Ein Bündel von artikulatorischen Paradigmen und generativen Regeln, wie etwa die Regelmäßigkeiten der Phonetik, der Morphologie und der Syntax, werden als besondere Merkmale einer bestimmten Sprache verstanden. Sie gelten oft als die archetypischen Beispiele dessen, was den Filter üblicherweise nicht passiert. Wir können daher Folgendes sagen: Die Paradigmen, denen zufolge eine sich artikulierende Stimme in Phonemen zum Ausdruck kommt, die generativen Regeln des Verstehens und der Zusammensetzung, die Kriterien, nach denen Worte miteinander verbunden werden, sowie die Klassifikationssysteme, die Worte als morphologisch signifikante Einheiten unterscheiden, bringen die Besonderheiten einer bestimmten Sprache zum Ausdruck und sind gerade das typische Beispiel dafür, was durch eine Übersetzung ausgelöscht wird. Oder vielleicht sollten wir es anders formulieren: Die Übertragung eines Text in eine andere Sprache bedeutet, die besonderen Charakteristika der Originalsprache auszulöschen. Der Filter als Übersetzung manifestiert sich in der Auslöschung der grammatikalischen Züge einer bestimmten Sprache.

Die Konzeption von Übersetzung entsprechend dem Modell der Mitteilung findet ihre raison d’être in eben dieser Ökonomie der Trope, die ich hier grob skizziert habe. Das heißt, das Modell der Mitteilung kann nur beibehalten werden, wenn der übertragene Inhalt und die Regeln der Mitteilung klar abgegrenzt werden können. Der übertragene Inhalt wird im Allgemeinen als „Information“ verstanden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts breitete sich der Begriff der Information in den Feldern der Ökonomie, der Kognitionswissenschaft, der Produktion, der Technologie und so weiter aus. „Information“ meint ein durch einen Akt des Informierens übertragenes Wissen. In anderen Worten, Information ist das, worüber man informiert wird. Informieren bedeutet, einen Ratschlag zu erteilen oder zu lehren, indem man dem Geist des anderen Form und Gestalt verleiht. Die auf diese Weise mitgeteilte Information hat die Charakteristika einer von eine_r Bot_in übermittelten Botschaft. Unabhängig von der Entwicklung von Institutionen und Techniken – von einem durch eine Bot_in übermittelten Papierbrief zur nationalstaatlich verwalteten Postdienstleistung, vom Telegramm zum internationalen kabellosen Internet –, die Theorie der Mitteilung ist außerstande, ihren Glauben an dieses Schema der von eine_r Bot_in überbrachten Botschaft aufzugeben.

Im Modell der Mitteilung wird das Überbringen der Botschaft parallel zur Metapher de_r Bot_in verstanden, di_e de_r Adressat_in eine Botschaft de_r Adressierenden mitteilt. Im Allgemeinen wird dieser Punkt indes nicht einmal von jenen verstanden, die eine wissenschaftliche Klassifikation der Übersetzung zu entwickeln versuchen, wie etwa Roman Jakobson.[2] Das Verständnis von Übersetzung, das dem Modell der Mitteilung folgt, begreift Übersetzung als besonderen Fall einer allgemeinen Mitteilung. Die als „Dekonstruktion“ bekannt gewordene Strategie einer Textlektüre hat bereits auf die absolute Unmöglichkeit verwiesen, eine klare Abgrenzung zwischen mitgeteiltem Inhalt (Botschaft) und den Regeln der Mitteilung (Code) aufrechtzuerhalten.

Die Übersetzungswissenschaften, eine akademische Disziplin, die weltweit an einer wachsenden Zahl von Universitäten etabliert wird, begreift Übersetzung größtenteils auf der Grundlage des Modells der Mitteilung. Sie verlässt sich folglich auf die Möglichkeit einer prinzipiellen Unterscheidung zwischen Botschaft (Inhalt) und Code (Regel). Wann immer von einer Sprache (der„Ausgangssprache“, um das Vokabular der Übersetzungswissenschaft aufzugreifen) in eine andere Sprache (die „Zielsprache“) übersetzt wird, beinhaltet dieser Inhalt Elemente, die – wie der Eigenname – nicht unbedingt den Regeln einer bestimmten Sprache folgen. Es wird gemeinhin akzeptiert, dass ein Eigenname nicht übersetzt wird, und es gibt keinen Grund, Eigennamen dem Code der Zielsprache folgend zu übersetzen. Von einer solchen Ausnahme abgesehen, wird von einer Übersetzung erwartet, dass sie die Regeln (die Codes) umfassend transformiert. Wenn der Inhalt (die Botschaft) in der Ausgangssprache in den Inhalt in der Zielsprache übersetzt wird, sollten die Regeln der Ausgangssprache also vollständig aus dem in der Zielsprache ausgedrückten Inhalt getilgt werden. Übersetzung übermittelt uns den Inhalt, doch sie bringt uns nicht die Grammatik einer anderen Sprache bei. Wenn wir also die Unterscheidung zwischen Übersetzbarem und Unübersetzbarem lediglich im mitgeteilten Inhalt (Botschaft) suchen, wird das Verstehen der Regeln (Code) von vornherein ausgeschlossen. Es wird durch den gegenseitigen Ausschluss von Inhalt und Regel verunmöglicht, auf der diese Ökonomie der Metapher aufbaut. Vorgesehen sind lediglich eine übersetzbare oder eine unübersetzbare Botschaft. Da die grammatikalischen Regeln oder die besonderen Eigenschaften in Zusammenhang mit der Organisation der Sprache von jenen Dinge ausgeschlossen werden, die den Filter passieren können, wird die Materialität des Textes nicht als etwas Übersetzbares untersucht und damit vernachlässigt. Somit wird die Unterscheidung zwischen dem Übersetzbaren und dem Unübersetzbaren allein auf der Ebene des mitgeteilten Inhalts (Botschaft) getroffen. Dem Modell der Mitteilung folgend, bleibt das Unübersetzbare von vornherein auf den Inhalt der Mitteilung beschränkt: das Unübersetzbare ist nur vorgesehen als „der Teil der Botschaft, der nicht ankommt.“

Die Symbiose von Kulturalismus und Subjektivität

Wir können diese Ökonomie der Tropen ferner mit den typischen Argumenten zu Subjektivität in Verbindung bringen. Eine Person nimmt Dinge in der Welt durch ein bestimmtes Kategoriensystem wahr. Die umfassende Objektivierung dieses Systems kognitiver Kategorien ist nicht leicht. Es mag vergleichsweise einfach scheinen, dieses System im Sinne der Differenzen zwischen einer Sprache und einer anderen Sprache zu identifizieren. Die Beschränkung auf die eigene (Mutter-)Sprache kann vielleicht die Beschränkung der eigenen Subjektivität auf die eigene (angeborene) Kultur erklären. Gerade in den Diskussionen über Subjektivität, die mit einer Übersetzung in die Repräsentation der Sprache verbunden sind, treten die konspirativen Verbindungen zwischen dem Modell der Mitteilung und dem Kulturalismus deutlich zu tage. Auch hier zeigt die Trope des Filters eine neue Kraft.

Wir werden in eine bereits gegebene Sprache hineingeboren und erwerben die Fähigkeit, die Welt den grammatikalischen Regeln dieser Sprache folgend zu erkennen. Viele mögen dies als gültige Aussage akzeptieren. Daraus sollte dann folgen, dass unsere Kognitionsfähigkeit durch vorgegebene kognitive Kategorien bestimmt wird, und zwar noch ehe wir Worte hervorbringen und eine Kenntnis anderer Sprachen erlangen. Wir sind daher darauf beschränkt, die Welt durch einen bestimmten Filter wahrzunehmen. Diskussionen über Subjektivität münden so – auf dem Weg der verräumlichten Trope einer Sprache, einer verräumlichten Figur mit deutlicher Kontur – in allzu voreilige Schlussfolgerungen. Es beabsichtige hier nicht, die im 18. Jahrhundert geführten Diskussionen über transzendentale Subjektivität auf das Problem des Kulturalismus zu reduzieren. Aber die Trope „Übersetzung als Filter“ verweist in aller Deutlichkeit auf eine symbiotische Beziehung zwischen Diskussionen über Subjektivität und anthropologischen Kulturalismus, wie sie etwa durch die von Edward Sapir und Benjamin Whorf vertretene amerikanische strukturale Linguistik angeregt wurden.

Der Filter, der zwischen dem, was passieren darf und was nicht, unterscheidet, ermöglicht die Repräsentation von zwei verschiedenen räumlichen Gebieten, aber das ist noch nicht alles. Er verwandelt diese Gebiete auch in Räume, die von unterschiedlichen grammatikalischen Regelsystemen durchzogen sind (Regeln, die durch die Phonetik, die Syntax und so weiter organisiert werden). In „anderem Raum“ klingt hier auch „andere Sprache“ an. Die Sprache, die als ein potenzielles Regelsystem (der Phonetik, Morphologie, Syntax etc.) vorausgesetzt wird, verwandelt sich in eine verräumlichte Figur, ganz so als handle es sich dabei um ein in sich geschlossenes Gebiet. Wenn Individuen mit der Sprache ihrer Geburt (ihrer „Muttersprache“) belastet auf die Welt kommen, werden sie bereits als in einem dieser spezifischen räumlichen Gebiete geborene verortet, insofern sie von der Trope „Übersetzung als Filter“ abhängig sind. In anderen Worten, das von der Übersetzung markierte Gebiet wird zu einem Raum, der eine ursprüngliche Zugehörigkeit zum Ausdruck bringt. Und diese Zugehörigkeit symbolisiert das Geschick des Individuums. Die Verortung in diesem Raum wird als Schicksal der eigenen kognitiven Fähigkeit imaginiert. Diese kann vom Individuum nicht eigenmächtig verändert werden. Es handelt sich um eine angeborene Eigenschaft, wie Farbenblindheit, eine mit der Geburt mitgegebene Fähigkeit. Ich erfahre die Dinge der Welt durch ein bestimmtes Kategoriensystem und habe daher im Grunde keinen Zugang zu einer Position, aus der heraus ich die Relevanz oder Irrelevanz meiner Erfahrung insgesamt beurteilen kann. Es ist mir unmöglich, vorab zu beurteilen, ob die mir gegebene Welt verzerrt oder entstellt ist. Ich mag die Welt durch gefärbte Linsen wahrnehmen, aber diese gefärbten Linsen sind eben jene Linsen, mit denen ich geboren wurde. Und diese Linsen werden „Muttersprache“ genannt. Unabhängig davon, ob meine Augäpfel selbst farbig sind oder nicht: Mir steht keine Perspektive zur Verfügung, um mein eigenes Vorurteil gegenüber jener Welt zu korrigieren, die ich mir in meiner Wahrnehmung zu eigen mache. Einer der Gründe für die Überzeugungskraft  des Satzes „Übersetzung als Filter“ besteht darin, dass er uns auf die Entfaltung einer Trope vorbereitet, die es möglich macht, Übersetzung in einem solchen Argument über Subjektivität zu mobilisieren.

Gleichzeitig sollten wir jedoch Folgendes nicht übersehen: „Übersetzung als Filter“ stiftet uns dazu an, eine Repräsentation der Übersetzung zu konstruieren, die auf der Trope eines dem Filter vorgelagerten und nachgelagerten Stroms beruht, oder die als zwei durch eine Barriere getrennte Räume dargestellt wird. Diese Formulierung ermöglicht uns also eine Vorstellung der Sprache im Sinne eines durch Grenzen markierten Raums. Diese Trope dient als Schema für die räumliche Figuration der Sprache.

Soweit Übersetzung ein durchlässiger Filter ist, unterteilt sie den Raum in zwei Gebiete. Ob diese unterteilten Räume jedoch notwendig als Einhegungen ausgeformt werden, wurde bisher noch nicht problematisiert. Doch vorerst teilt der Filter nicht nur den kontinuierlichen Raum in zwei Teile. Er setzt eine alles umfassende Bedingung voraus, die meine Fähigkeit, die Außenwelt zu erkennen, einschränkt, ganz so wie ein Kamerazubehör, das Licht selektiv in eine Camera obscura weiterleitet. Hier scheint es, als würde diese „Übersetzung als Filter“ nicht mehr die Form eines Filters als halbdurchlässiger Membran annehmen, sondern den Charakter eines optischen Filters, der die Hauptlinse einer Kamera verdeckt.

Obwohl die Figur des Filters verwendet wird, um eine angeborene kognitive Fähigkeit im Sinne einer räumlichen Zugehörigkeit zu postulieren, verwandelt er sich erstaunlicherweise in ein Prinzip, das die typische Situation der Kognition vor der Übersetzung zu erklären vermag. Es wird ein mittels der Übersetzung erworbenes Wissen postuliert, um die angebliche Existenz einer angeborenen Fähigkeit zu erläutern, die der Übersetzung vorhergeht. Um sich der Beschränkungen bewusst zu werden, die der kognitiven Fähigkeit in der eigenen „angeborenen“ Sprache immanent sind, braucht es die Erfahrung eines othering/Zum-Anderen-gemacht-Werden [ika] in Bezug auf eine fremde Sprache. Folglich sind diejenigen, die eine Fremdsprache weder sprechen noch schreiben können, noch nicht einmal dazu fähig, sich der Beschränkungen bewusst zu sein, die ihnen durch ihre „Muttersprache“ auferlegt werden. Ohne „das Unverständliche“ bzw. ohne eine Begegnung mit jemandem, di_e man nicht versteht, ist es unmöglich, sich der Beschränkungen der eigenen kognitiven Fähigkeit bewusst zu werden. Übersetzung faltet sich auf sich selbst zurück und führt zu einem Moment, das wohl „Reflexion“ genannt werden kann. Halten wir en passant fest, dass der Reflexion auf die Muttersprache eine grundlegend andere Zeitlichkeit eignet als einer transzendentalen Reflexion, und dass wir diese beiden Formen nicht verwechseln sollten. Dennoch muss man sich weiterhin dessen bewusst sein, dass Übersetzung im Verhältnis zur Muttersprache ein negatives Moment birgt, und dass folglich das Bewusstsein von etwas wie der Muttersprache ohne die Annahme einer Fremdsprache von vornherein unmöglich sein sollte. Es müsste daher argumentiert werden, dass der Nativismus, der die Muttersprache als angeborene Bedingung der eigenen kognitiven und praktischen Fähigkeiten postuliert, erstmalig nur dadurch möglich wird, dass im Verhältnis zur Muttersprache ein Moment der Negativität durchlaufen wird. Bedeutet die Ökonomie der Trope „Übersetzung als Filter“ nicht, dass Übersetzung als „Vermittlung“* postuliert wird, und zwar durch die Herstellung der Identität einer Muttersprache? Selbstverständlich habe ich in dieser Argumentation bisher nicht offen in Zweifel gezogen, dass eine Muttersprache überhaupt in sich und aus sich selbst heraus existieren könnte.

Der durchlässige Filter teilt zwei Räume ab. Die Eigenschaften eines jeden Raums lassen sich jedoch nur im Verhältnis zu einem anderen Raum bestimmen. Jeder Raum wird relativ bestimmt, in Abhängigkeit vom anderen Raum. Sobald jedoch die Trope des Filters den Sinn eines optischen Filters annimmt, verändert sich die Art und Weise der Eigenschaftsbestimmung des Raums: sie erfolgt nicht länger relativ. Jeder der durch den Filter voneinander getrennten Räume wird so repräsentiert, als ob er diese Eigenschaften bereits aufwiese, die in ihm selbst bestimmt wurden. Jeder Raum wird so repräsentiert, als wäre er in seinen Eigenschaften vorherbestimmt, und zwar unabhängig vom anderen Raum, von dem er unterschieden wird. Die Leute tendieren dann dazu, zu vergessen, dass Übersetzung in erster Linie im Verb „übersetzen“ zum Ausdruck kommt; dass Übersetzung ein Ereignis ist, eine Handlung, eine Bewegung. Das verhält sich analog dazu, wie Menschen vergessen, dass die nationale Grenze keine natürliche Bedingung ist, sondern eine Institution, die durch Akte der Souveränität von Seiten des Staates, der Machthaber_innen, der nationalen Bevölkerung etc. geschaffen wird. In eben diesem Sinn dürfen wir nicht übersehen, dass die Grenze selbst nicht unabhängig vom Akt der Unterscheidung existieren kann.

Was ermöglicht die Repräsentation von Übersetzung als Filter?

Die Repräsentation der Übersetzung als Filter erfasst Übersetzung durch ein starres und endgültiges Bild. Während dieses Bild nützlich sein mag, wenn es um ein Nachdenken über Übersetzung geht, führt es in der Diskussion zu Übersetzung auch in Fallen. Die Trope „Übersetzung als Filter“ wird nicht nur vereinzelt und ausnahmsweise verwendet, sondern tendiert dazu, als Mittel für die Organisation mannigfaltiger Beispiele in einem weiten Sinn zu funktionieren. Sie dient als Schema der Verständigung über Übersetzung.

Denken, was schwierig zu denken ist. Das repräsentative Beispiel für eine Schwierigkeit für das Denken ist die Zeit: Weil es schwierig ist, sich Zeit unmittelbar vorzustellen, brauchen die Leute das Schema der Zeit. Das ist der Grund, weshalb das Schema der Zeit in der neuzeitlichen Philosophie wohlbekannt ist: Wir verlassen uns auf Tropen und Bilder, um uns in der Empfindung mit einigen Äquivalenten zu versorgen. Das Bild oder die Figur, die auf ein Blatt Papier gezeichnet oder auf einem Bildschirm entworfen wird, Fließdiagramme sowie verschiedene andere visuelle Darstellungen leiten unsere Gedanken bei jenen Themen, die wir uns unmittelbar nicht vorstellen können. Wann immer wir also auf die Repräsentation eines komplexen Themas stoßen, verlassen wir uns auf ein Bild, eine Gestalt, eine Trope und eine Figur. Wir versuchen über dieses komplexe Thema, das wir uns selbst kaum vorstellen können, so nachzudenken, dass wir uns auf diese Bilder verlassen. Im Bereich der Empfindung ist das Schema genau diese Art von Äquivalent, die auf ein unmittelbar kaum fassbares Objekt angewendet wird. Durch den Rückgriff auf die Figur oder die Trope machen wir einen Gegenstand für das unmittelbare Nachdenken repräsentierbar und das Verfahren des Schemas nennen wir „Schematismus“.

Es versteht sich von selbst, dass eben dem Schema die Rolle zukommt, eine Äquivalenzbeziehung zwischen einem kaum vorstellbaren Thema und einem bestimmten Bild herzustellen. Äquivalenz meint eine Relationalität zwischen zwei Begriffen; ohne die Annahme eines Gegenbegriffs kann nicht von einer Äquivalenz gesprochen werden. Im Falle des Schematismus jedoch ist das Schema genau deshalb notwendig, weil einer der beiden Begriffe als Repräsentation gesetzt wird. Die Relationalität im Schematismus scheint folglich durch nur einen der beiden Begriffe einseitig gerichtet. Es mag der Anschein entstehen, das Thema sei passiv, während die Figur oder das Bild aktiv sind. Wir dürfen eines nicht vergessen: Wie etwas zum Äquivalent wird, hängt vom Schema ab. Als Schema hat ein Bild die Macht, etwas zu postulieren, das nicht repräsentierbar ist.

Die aus der Trope „Übersetzung als Filter“ abgeleitete Figur dient als Schema für die Repräsentation der Übersetzung. Es ist jedoch wichtig festzuhalten, dass in der Repräsentation der Übersetzung nicht nur eine, sondern zwei Figuren nötig sind. Übersetzung wird daher als ein Filtern zwischen zwei Schemata dargestellt.

Die Art und Weise der Repräsentation von Übersetzung wird durch eine bestimmte Institution gestützt. Sie kann uns ein falsches Gefühl der Vertrautheit und Selbstverständlichkeit vermitteln. Aber wie kommt es zu der Übereinkunft, Übersetzung durch die Trope eines Filters zu repräsentieren? Wie können wir diesen Typus von Institution historisieren? Verweisen wir zunächst auf zwei entgegengesetzte Richtungen, in die sich das Bild entfalten kann: Die erste orientiert sich an der Präsenz des Filters selbst. Sie bestimmt die beiden durch den Filter geteilten Gebiete nicht näher. Die Differenz zwischen diesen beiden Gebieten ist davon abhängig, welche Klassifizierungen der Filter vornimmt und was er filtert, wenn er uns explizit auf die Differenz zwischen einem vorgelagerten Raum, einem Gemisch aus Durchlässigem und Undurchlässigem im Prozess der gegenseitigen Durchdringung, sowie einem gesäuberten nachgelagerten Raum verweist, in dem nur das zugegen ist, was passieren durfte. Doch es ist auch die genau gegenteilige Konzeption möglich: eine Orientierung auf jedes der abgeteilten Gebiete. Der Filter wird hier zu einer Leere oder Abwesenheit. Es ist möglich, Übersetzung als einen Akt zu verstehen, der die Lücken oder Brüche zwischen diesen beiden Gebieten miteinander verbindet, anstatt sie als substanzielle Barriere einer Filterung zu verstehen, die einen kontinuierlichen Raum in verschiedene Gebiete unterteilt. Statt sie als positive Blockade zu betrachten, die den Raum teilt, können wir sie als negative Unterbrechung verstehen, die ein Passieren verunmöglicht, indem sie den Boden mit Rissen versieht. Übersetzung wird dann als ein Akt verstanden, der zwei durch eine abgrundtiefe Kluft getrennte Gebiete miteinander verbindet, ein Vorgang des Überquerens, ein Sprung auf das gegenüberliegende Ufer. Der Filter verwandelt sich in etwas Negatives, in das Symbol einer Abwesenheit. Diese beiden Orientierungen legen zwei gegensätzliche Sichtweisen auf den Filter nahe: Die eine sieht im Filter eine durch den Abgrund isolierte Unterbrechung, und die andere eine Barriere, die ein Passieren verhindert, ähnlich einer Leere, die Menschen voneinander trennt im Gegensatz zu einer porösen behindernden Entität.

Die Orientierungen weisen in entgegengesetzte Richtungen, aber innerhalb des Modells der Mitteilung sind sie komplementäre Alternativen. Beide Orientierungen führen uns zu einer gemeinsamen Annahme. Sollten wir sagen, „die Tasse ist halb voll“ oder „die Tasse ist halb leer“? Sehen wir zwei im Profil miteinander verbundene Gesichter oder einfach nur den Umriss einer Vase? Eine Form ist vom Gesichtspunkt abhängig. Sie kann sich selbst als Trope der Substanzialität oder der Abwesenheit entfalten. Wenn wir uns dieser Form als Substanz nähern, gleicht die Übersetzung der Figur eines Filters; nähern wir uns ihr als Leere, dann bringen wir sie mit dem Bild des Überquerens einer Brücke in Zusammenhang.

Deshalb führt die Metapher des Filters zu der anderen Metapher der Kluft, da diese beiden Metaphern zwei Alternativen darstellen, die zueinander komplementär sind. Wenn jedoch die Existenz des Filters von etwas Substanziellem wie einer Barriere oder einer halbdurchlässigen Membran in etwas Nicht-Substanzielles wie eine Kluft oder eine Lücke verwandelt wird, dann geschieht etwas, das nicht übersehen werden kann: die Bestimmung des durch den Filter geteilten Raums wird heimlich verändert. Wenn der Raum durch den substanziellen Filter in zwei Räume geteilt wird, weist keiner der beiden Räume ein einigendes Prinzip auf. In anderen Worten, diese Räume bleiben nur deshalb in ihren jeweiligen Positionen, weil sie durch ein Hindernis getrennt werden. Wenn jedoch der Filter als etwas Nicht-Substanzielles verstanden wird, dann nimmt umgekehrt der Raum nach und nach substanzielle Charakteristika an. Wir werden allmählich in die Lage versetzt, diese Räume so wahrzunehmen, als besäßen sie eine innere Einheit. Wenn wir noch einen Schritt weitergehen, nimmt jeder dieser Räume die Fähigkeit an, zu einer sich selbst erhaltenden Einheit mit organischer Organisation zu werden.

Obwohl wir nunmehr aus einer entgegengesetzten Richtung kommen, basiert diese kontrastierende Auffassung von Übersetzung weiterhin auf gemeinsamen Annahmen, nämlich dass Übersetzung zwei Gebiete als unterschiedlich voneinander einschreibt und bestätigt. Es wird davon ausgegangen, dass Übersetzung eine Verbindung zwischen dieser Seite hier und jener Seite dort etabliert, zwischen zwei bereits bestehenden Seiten. Genau aus diesem Grund werden die beiden Figuren des Filters und der Leere gemeinsam aufgerufen.

In beiden Fällen mobilisiert die Repräsentation der Übersetzung zwei Schemata. Übersetzung wird so repräsentiert, als handle es sich um eine Interaktion bzw. eine Überbrückung von zwei abgesonderten und verschiedenen Räumen. In anderen Worten, die Repräsentation von Übersetzung ist ein Schematismus duellierender Schemata, ein Prozess der Kofiguration.

Im Modell der Mitteilung, das Übersetzung als eine Art Wechsel von einem Code zum anderen betrachtet, sind die Entsubstanzialisierung des Filters und die Substanzialisierung des Raums offensichtlich zwei logisch aufeinander folgende Prozesse. Die beiden durch den Filter getrennten Räume werden damit zu Räumen, die durch Sprachen gesättigt sind. Das führt dazu, dass Übersetzung als ein Vorgang repräsentiert wird, der darin besteht, die Kluft zwischen einer Sprache und der anderen zu überbrücken. Wird Sprache durch eine Einhegung repräsentiert, dann wird der Filter mit einer Linse in Verbindung gebracht, die den optischen Eingang einer Kamera verdeckt. Und so beginnt der linguistische Nativismus seine Macht auszuüben.

Ein neuer Moment taucht auf, wenn wir uns dieser Trope des optischen Filters nähern: Raum wird dann ausdrücklich zum eingehegten Raum. In der Trope eines optischen Filters als Beschränkung der Subjektivität wird nicht nur der Raum abgegrenzt. Vielmehr beinhaltet sie auch, dass „Ich“ oder „Wir“ in einem gewissen Innen eingeschlossen sind. Wird diese Metapher auf die Frage der Sprache angewandt, bewegen wir uns in Richtung einer Perspektive, die die Muttersprache als Innerlichkeit begreift.

Im Bild taucht dann die Vorstellung eines auf den Raum der Muttersprache beschränkten „Ich“ oder „Wir“ auf. Kulturalistische Standpunkte wie Studien zum nationalen Charakter oder auch der Diskurs über die japanische Einzigartigkeit werden somit von der Annahme eines auf diesen Raum der Muttersprache beschränkten „Wir“ oder „Sie“ im Sinne einer Nation oder Ethnizität begleitet. So gesehen, ist die nationale Subjektivität in erster Linie die Sache eines epistemischen Nationalismus.

Wird der als Innerlichkeit abgegrenzte Raum in den Tropen der Übersetzung als Einhegung der nationalen Sprache, Kultur und Subjektivität definiert, so nenne ich das „Gebiet“. Es versteht sich von selbst, dass das eingefasste Gebiet auf die area studies verweist.

Das Schema des Filters und die Welt

Dieser Schematismus stellt Übersetzung in einer Repräsentation der Welt dar. Der Raum, der von der halbdurchlässigen Membran in einen vorgelagerten und nachgelagerten Raum aufgeteilt wird, gleitet rasch in Richtung eines Raums der einen und der anderen Sprache und erweitert sich schließlich in die Aufteilung zwischen den Räumen der einen und der anderen nationalen Sprache. Thongchai Winichakul beschreibt den historischen Übergang, in dem sich im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts das Königreich von Siam von einem Königreich ohne klare territoriale Grenzen in einen souveränen Staat mit einem von nationalen Grenzen eingehegten Territorium verwandelte.[3] Er zeichnet den Prozess nach, durch den sich zwischenstaatliche Beziehungen, die unterschiedliche Staaten über ein Tributsystem miteinander verbanden, in inter-nationale Beziehungen zwischen souveränen Staaten verwandelten. Und diese wurden anhand ihrer jeweiligen Territorien identifiziert. In Siam Mapped verwendet Winichakul das Konzept des „Geo-Körpers“ und analysiert auf Basis des Diskurses der Kartographie in Thai-Politiken die stufenweise Transformation einer souveränen Macht ohne nationale Grenzen in eine moderne staatlichen Souveränität mit klar umrissener Territorialität. Der Geo-Körper verweist nicht einfach auf das kartographische Bild eines staatlichen Territoriums, sondern beschreibt auch die Nation als eine Gemeinschaft, die als Innerlichkeit repräsentiert und als eingehegtes Gebiet neu bestimmt wird. In anderen Worten, der Geo-Körper ist ein Dispositiv der Imagination, das ein inneres „Wir“ von einem äußeren „Sie“ abgrenzt und die Formierung staatlicher Souveränität durch ihre Symbiose mit der Figur einer homogenen nationalen Gemeinschaft fördert. Dies führte dazu, dass die Subjekte des Königreichs von Siam erstmals als Thai zu leben begannen. Winichakul zufolge wurden ferner die Einwohner_innen nach und nach in einem einzigen souveränen Staat vereint, wohingegen es Früher früher normal war, mehreren Staaten zugleich anzugehören. Die Vereinigung der Bevölkerung oder der Nation des Thai-Staates wurde über Verhandlungen mit den Engländer_innen und den Französ_innen erreicht, die die Gebiete rund um Thailand nach und nach kolonisierten. Im Verlauf dieses Prozesses erhielt das Königreich von Siam im Rahmen inter-nationaler Beziehungen seine Legitimität als souveräner Staat. Die englische und französische Kolonisierung Indochinas sowie die Entstehung des modernen Thai-Staates standen nicht im Widerspruch zueinander. Vielmehr handelte es sich um einander ermöglichende Prozesse.

Lassen Sie mich zwei Argumente dafür anführen, weshalb Winichakuls Untersuchung für unsere Überlegungen zu Übersetzung wesentlich ist: Zunächst zeigt er deutlich, dass das Gebiet, in dem die Nation oder die Bevölkerung verortet sind, durch die Festlegung nationaler Grenzen entstand. Zuvor standen die technischen Mittel – weder die moderne Kartographie noch die Methode der Triangulation – für eine fixe nationale Grenze nicht zur Verfügung. Es gab einfach keinen Bedarf das Territorium zu vereinheitlichen, da Innen und Außen im Verhältnis zur Souveränität des Staates auf vielerlei Weise bestimmbar waren. Mit der Ausbreitung der Zölle, die rigoros zwischen menschlichen Wesen aus dem Inneren und jenen aus dem Außen bzw. zwischen Landsleuten und Fremden unterschieden, war die systematische Legitimierung der Souveränität des modernen Staates vollbracht. Es gibt noch einen weiteren Punkt, den es zu beachten gilt. Winichakul spricht ihn zwar nicht unmittelbar an, aber er lässt sich aus seinem Argument logisch ableiten. Die Etablierung der nationalen Grenze geht nicht nur mit der gegenseitigen Anerkennung eines souveränen Staates mit Monopol auf ein Territorium sowie anderer benachbarter souveräner Staaten einher, sondern verweist vielmehr auf die Zustimmung durch die inter-nationale Welt im Allgemeinen. Die Etablierung der nationalen Grenze geht Hand in Hand mit der Anerkennung durch die aus souveränen Staaten bestehende internationale Welt, die jeweils als eingehegtes Gebiet bestimmt werden. Um zur Trope des Filters zurückzukehren: Die Anerkennung der nationalen Grenze bedeutet nicht, dass der Raum in zwei Räume geteilt wird, sondern vielmehr, dass diese Räume über ihre Eingrenzung in eingehegten Gebieten geschaffen werden. Dieser Prozess korrespondiert mit der Schaffung unabhängiger, durch ihre jeweiligen Sprachen gebildeten Innerlichkeiten. In anderen Worten, die nationale Gemeinschaft wurde erstmals in der inter-nationalen Welt möglich. Die Zerstörung des ancien régime diplomatischer Beziehungen, die auf dem Tributsystem basierten, war zur Schaffung der nationalen Gemeinschaft notwendig.

Selbstverständlich bezieht sich die internationale Welt nicht auf das System natürlicher Beziehungen zwischen den Völkern der Welt. Es ist eine globale Ordnung gegenseitiger Anerkennung zwischen modernen staatlichen Souveränitäten, die sich seit dem 17. Jahrhundert entwickelte und sich im 19. und 20. Jahrhundert fortsetzte, während zeitgleich damit die Institution des Nationalstaats sowie der moderne Kolonialismus entstanden.

Mit dem Konzept des Geo-Körpers zeigt uns Thongchai Winichakul in aller Deutlichkeit die Zusammenhänge zwischen drei Prozessen:  1) Der Repräsentation der Welt als Topos wechselseitiger Beziehungen zwischen „nationalen Körpern“ (kokutai); 2) der mithilfe kartographischer Messung vorgenommenen Bestimmung eines jeden Orts auf der Oberfläche der Welt als eine Koordinate 3) der klaren Aufteilung der Bevölkerung auf das Innen und Außen jeder Nation und Ethnie. Die Beziehung zwischen „hier“ und „dort“, oder die Beziehung zu den „Nachbarn“ repräsentiert das Leben, das wir auf jeweils verschiedene Weisen leben. Durch die Repräsentation dieser Beziehungen wird das Leben auf bestimmte Weise geordnet. Und in dieser Ordnung treffen wir dann auf Dinge, Ereignisse und Menschen und beginnen diese in unserer Lebenserfahrung zu verstehen. Lassen Sie mich das Bezugssystem unserer Lebenserfahrung „die Welt“ nennen. In der Welt gibt es eine Vielzahl von Registern: vom recht vertrauten Register von Raum und Zeit, in dem „hier“ und „jetzt“ sowie die kontextuellen Beziehungen von Vorher und Nachher in Handlungen und Ereignissen bestimmt werden, über Register, die ausdrücken, wie Räume oder Alltagsobjekte in einer Unterkunft angeordnet werden, sowie Register des Verlaufs der alltäglichen Zeit, Register des Wissens um Plätze, an denen das für den Alltag Notwendige gekauft und konsumiert werden kann, das Register der Kalenderdaten, bis hin zu dem Register, in dem das Territorium des Nationalstaats repräsentiert wird. Diese Register sind auf komplexe Weise miteinander verschränkt und in ständiger Veränderung begriffen. Die vollständige Ordnung der Repräsentationen sowie das aus diesen mannigfaltigen Instanzen zusammengesetzte Verständnis kann ich als das Schema „Welt“ bezeichnen. Wir treffen auf verschiedene Phänomene und begreifen diese durch Repräsentation innerhalb einer Ordnung: Die Welt ist diese Ordnung der Repräsentation und des Verständnisses.

Der Filter als halbdurchlässige Membran sowie der Filter als optische Linse sind Tropen, die in unterschiedlichen Registern operieren. In der Formulierung „Übersetzung als Filter“ werden weder die nationale Grenze noch die staatliche Souveränität explizit erwähnt. Dennoch sind die Instanzen dieser Tropen in den Schematismus der Welt integriert und funktionieren in dieser Welt. Der Grund, weshalb Übersetzung heute als Übertragung von Information von einer nationalen Sprache in eine andere betrachtet wird, liegt genau darin, dass wir derzeit nur versuchen, Übersetzung in diesem modernen Schema der Welt zu begreifen. Wie ich weiter oben bereits kurz erwähnt habe, wird Übersetzung in Roman Jakobsons Theorie von Anfang an als Mitteilung von einer Sprache in eine andere bestimmt. Er klassifiziert Übersetzung auf dreierlei Weise: als innersprachliche Übersetzung, als zwischensprachliche Übersetzung und als intersemiotische Übersetzung. Die innersprachliche Übersetzung, das Umformulieren zwischen verschiedenen Fachgebieten oder Genres, sowie die intersemiotische Übersetzung, das Transcodieren zwischen verschiedenen Medien, werden als sekundär behandelt bzw. sie sind ein Derivat des authentischsten Genres der „zwischensprachlichen“ Übersetzung. Die Einheit einer Sprache wird als Naturgegebenheit begriffen.[4] Sprache fällt hier in eins mit nationaler bzw. ethnischer Sprache. Jakobson bestimmt somit „Übersetzung im eigentlichen Sinn“ von Anfang an als zwischensprachliche Übersetzung. Somit übt die Trope des Filters in Jakobsons Diskussion zu Übersetzung eine überwältigende Macht aus. Solange Übersetzung gemäß dem Modell der Mitteilung verstanden wird, sind wir nicht in der Lage, uns der analytischen Waffe des Schematismus zu entledigen.

Die Repräsentation von Übersetzung und der Akt der Übersetzung

Wenn Übersetzung als Übertragung von Information von einer Sprache in eine andere repräsentiert wird, kann der Eindruck entstehen, dass die Trope „Übersetzung als Filter“ problemlos funktioniert. Diese Trope behauptet, dass es in der Übersetzung darum geht, Information mitzuteilen, während gleichzeitig die Zeichen von einem Codesystem in ein anderes transformiert werden. In der Trope „Übersetzung als Filter“ sind sowohl die der Übersetzung vorgelagerte wie auch die der Übersetzung nachgelagerte Äußerung im Sinne von Äußerungen mit feststehenden Bedeutungen gegeben. Gewiss, der Moment der Übersetzung verweist auf einen Bruch zwischen der einen und der anderen Sprache, aber diese Kluft wird mittels der Figur des Filters hergestellt. Die Trope der Kluft, die dieses Ufer von jenem Ufer trennt, scheint den wesentlichen Moment der Übersetzung einzufangen – die Kluft ist ein Bild, das diesen Spalt oder Bruch auf wunderbare Weise zu formen scheint. Trotzdem aber sind dieses Ufer ebenso wie das andere Ufer in einer kontinuierlichen Welt zu finden. Die Funktionsweise dieser Trope spart etwas Fundamentales aus. Gerade weil es sich um eine Trope handelt, ist sie selbstverständlich weder ein adäquater noch ein umfassender Ausdruck; aber es gilt zu berücksichtigen, dass sie das unverzichtbare Moment der Übersetzung ausspart.

Was ist dieses unverzichtbare Moment? Damit Übersetzung stattfindet, muss es irgendeine Form der Unverständlichkeit oder Unbegreiflichkeit geben. Man übersetzt, weil man nicht versteht. Unverständlichkeit kann jedoch nicht auf das Fehlen einer korrekten Interpretation oder auf den Mangel an richtiger Bedeutung reduziert werden.[5]

Wenn wir in der Welt etwas verstehen oder artikulieren, scheint sich daraus Folgendes ableiten zu lassen. Nehmen wir einen Einschnitt zwischen „hier“ und „dort“ oder zwischen „nun“ und „bald“, um zu klären, was ich damit meine. Zur Debatte steht hier eine Situation folgender Art: „Hier“ verweist auf das Grundstück meines Hauses und „dort“ auf das Gelände, auf dem das Haus meine_r Nachbar_in steht; „nun“ meint heute, während „bald“ morgen ist. Der Kalender dient dazu, zwischen „heute“ und „morgen“ eine Abgrenzung einzuführen. Oder, es wird zum Beispiel die Grenze zwischen meinem Haus und dem Grundstück meine_r Nachbar_in ins Grundbuch eingetragen. Wir können einen Einschnitt vornehmen, weil mein Haus und das Haus meine_r Nachbar_in auf einem zusammenhängenden Land stehen, oder weil morgen auf heute folgt. Nur wenn es Kontinuität gibt, können wir einen Einschnitt vornehmen. Wenn die Oberfläche der Erde nur aus mit Koordinaten versehenen Grundstücken besteht, wenn die Zeit in der chronologischen Ordnung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft angeordnet wird, dann befinden wir uns in der Welt als einem Schema. Folglich wird der Einschnitt nur innerhalb einer vorgegebenen zusammenhängenden Welt vorgenommen, und das nur solange dieser Einschnitt die Kontinuität der Welt nicht zerstören oder verändern kann. In anderen Worten, die Kontinuität der Welt garantiert, dass wir uns innerhalb dieser gegebenen Verständnisordnung reibungslos bewegen und Einschnitte vornehmen können. Unverständlichkeit ist aus dieser Welt der Kontinuität ausgeschlossen. Es wird angenommen, dass es so etwas in der Welt nicht gibt. Soweit in dieser zusammenhängenden Welt ein Einschnitt möglich ist, dürfen wir auf keine Situation stoßen, die nicht verstanden werden kann. Wenn nun Übersetzung eine Antwort auf die Situation darstellt, in der „ich nicht verstehe“, wie müssen wir dann das Verhältnis von Übersetzung und Welt überdenken, an das wir uns bis zu diesem Punkt gehalten haben?

Offensichtlich ist der Filter eine Trope für diese Art von Einschnitt. Er markiert sowohl „Verständlichkeit“ (wakaru koto) wie „Teilbarkeit“ (wakerareru koto). Und doch wird von ihm erwartet, den Schauplatz der Unverständlichkeit anzuzeigen! Das heißt, der Filter ist ein Instrument, dessen grundlegende Eigenschaft darin besteht, „Nichtverstehen“ zu repräsentieren, und zwar so, als wäre „verstanden“ worden. Daher müssen wir uns vor der Trope des Einschnitts hüten, wenn wir über Übersetzung nachdenken.

Ich habe bis jetzt auf einer strengen Unterscheidung zwischen der Repräsentation und dem Akt der Übersetzung bestanden, da wir den Tropen des Einschnitts gegenüber Vorsicht walten lassen müssen. Der Einschnitt bringt nicht Diskontinuität zum Ausdruck,  im Gegenteil, der Einschnitt dient als Affirmation der Kontinuität. Dementsprechend habe ich versucht, es mit dem Ausdruck „Übersetzung als Filter“ genau zu nehmen, gerade weil die Art und Weise, wie ein Einschnitt funktioniert, in dieser Trope beibehalten wird: Sie schließt Übersetzung in „Verständlichkeit“ ein, und löscht so ihr wichtigstes Moment aus, das im Satz „Ich verstehe nicht“ zum Ausdruck kommt. Damit wird den Akt der Übersetzung nicht mir ihrer Repräsentation verwechseln, müssen wir uns mit dieser Situation der „Unverständlichkeit“ konfrontieren.

Die heterolinguale Adressierung                                 

Wir dürfen zunächst nicht übersehen, dass „Unverständlichkeit“ im Grunde genommen eine Frage der Sozialität ist. „Unverständlichkeit“ kann es nur geben, wenn ich mit „dir“ koexistiere. Und diese Koexistenz ist die Grundlage der Sozialität. Selbstverständlich könnte ich sofort von jemandem widerlegt werden, der danach fragt, ob es jenseits des Schauplatzes der Sozialität überhaupt irgendeinen Akt geben kann. Aber halten wir für den Moment einfach fest, dass sich Übersetzung am Schauplatz der Sozialität zuträgt. Wie weiter oben bereits angemerkt, geht es bei Übersetzung irgendwie um Zitieren. Übersetzung kann sich nicht in Form der Unmittelbarkeit eines „Ich spreche“ oder „Ich schreibe“ ereignen. Übersetzung ist eine Aussage, aber nur insofern sie ein Zitat ist, sie ist nachahmend und retrospektiv, und aufgrund dieser retrospektiven Referenzialität auf einen anderen früheren Text verrate ich in der Übersetzung notwendigerweise meine eigene Spontaneität. Ferner nimmt Übersetzung eine Differenz zwischen de_rjenigen vorweg, di_e versteht und de_rjenigen, di_e nicht versteht. Und es ist das seltsame Subjekt, das Übersetzer_in genannt wird, das diese Differenz – zwischen de_rjenigen, di_e versteht und de_rjenigen, di_e nicht versteht – artikuliert. Es ist daher eher irreführend, zu behaupten, dass „Verständlichkeit“ auf die soziale Verbundenheit von Menschen verweist, wohingegen „Unverständlichkeit“ einen Mangel an sozialer Verbundenheit zum Ausdruck bringt. Damit es eine Situation des Nichtverstehens geben kann, muss es eine Beziehung zwischen Menschen geben. Wenn „Verständlichkeit“ einfach nur eine Situation ausdrückt, in der die Mitteilung gelungen ist, muss auch „Unverständlichkeit“ eine Situation sein, in der es zu einer Mitteilung kommt. Der Satz „Ich verstehe nicht“ bringt die Situation, in der sich die Beschränkungen des Modells der Mitteilung am offensichtlichsten zeigen, deutlich zum Ausdruck. Übersetzung ereignet sich in einer aleatorischen Sozialität, in einer sozialen Beziehung der Wette.

Übersetzung findet nicht zwischen einer Sprache und einer anderen statt. Das Bild einer Sprache als einer eingehegten und einheitlichen Totalität wird vielmehr gerade durch die Repräsentation von Übersetzung gesetzt. Auf andere Weise formuliert, die Figur „Übersetzung als Filter“ reguliert die Repräsentation von Übersetzung. Dies wird möglich, weil der Schematismus der Übersetzung „Unverständlichkeit“ zu „Verständlichkeit“ macht, indem er Übersetzung auf die Welt projiziert (tōsha) – oder proji-ziert (kitō). Wir können daher sagen: Aufgrund der Repräsentation von Übersetzung als Mitteilung zwischen einer Sprache und einer anderen sind diese beiden Sprachen als eingehegte „Gebiete“ repräsentierbar. Deshalb habe ich mich weiter oben auf das Schema bezogen, das dann wirksam wird, wenn wir Übersetzung als „Schema der Kofiguration“[6] darstellen. Das Schema der Kofiguration erzeugt die institutionalisierte Erwartungshaltung, dass der Grund für „Unverständlichkeit“ auf die Differenz der Sprachen zurückgeht. Am Schauplatz der „Unverständlichkeit“ versuchen sich jedoch verschiedene Menschen in verschiedener Weise an einer Übersetzung, und wir können aus diesem Schauplatz der „Unverständlichkeit“ nicht immer das Bild der halbdurchlässigen Membran oder des Abgrunds formen, der sich zwischen räumlich repräsentierten Sprachen befindet. „Nichtverstehen“ findet überall statt – oder in einer „Äußerlichkeit“, die nicht einfach das Gegenstück von Innerlichkeit ist. Doch aufgrund Art und Weise, wie die internationale Welt gestaltet ist, wird angenommen, dass wir in der Lage sein sollten, einander in ein- und derselben Sprache zu verstehen. Folglich beginnen wir uns eine Welt vorzustellen, in der Unverständlichkeit und Verständlichkeit kartographisch abgegrenzten Territorien staatlicher Souveränitäten sowie den Orten nationaler Sprachen und Kulturen zugeordnet werden können. In anderen Worten, der Akt der Übersetzung wird im Schema der Welt als die kontinuierliche Totalität jener verortet, die sagen: „Ich verstehe“.

Übersetzung weist hier eine Ambiguität auf. Die Repräsentation von Übersetzung stellt „Unverständlichkeit“ als „immer schon verständlich“ dar, und auch der Akt der Übersetzung zielt darauf ab, dass das, was ich nicht verstehe, in „etwas, das ich verstehe“, verwandelt wird. Aber die Dimension der Umwandlung dessen, „was ich nicht verstehe“ in „etwas bereits Verstandenes“ in der Repräsentation der Übersetzung ist eine ganz andere als die Dimension der Umwandlung des „Unverständlichen“ in etwas „Verständliches“ im Akt der Übersetzung.

Durch Zufall treffe ich auf ein_e Fremde_, aber ich verstehe nichts von dem, was sie sagt. Ich erkläre mir das vielleicht mit der Behauptung, dass der Grund für mein Nichtverstehen aus der Kluft zwischen meinem Japanisch und etwas Unbekanntem rührt, von dem ich vermute, dass sie es spricht. Indem ich auf diese Kluft zwischen zwei Sprachen anspiele, kann ich mein Nichtverstehen in ein Verstehen meines Nichtverstehens verwandeln. Doch durch die Repräsentation einer anderen Sprache als eingehegtes Gebiet, von dem ich zweifellos ausgeschlossen bin, verstehe ich meine Unfähigkeit, das zu verstehen, was sie sagt, als eine Kluft zwischen zwei Sprachen. Dies ist eine idealistische Auflösung von „Nichtverstehen“, wie ich schnell hinzufügen muss. Es gibt indes eine andere Art der Interaktion. Ich verstehe nicht, was sie sagt, und suche daher nach gemeinsamen Begriffen, nach Fragmenten kolonialer Erbschaften, die sie und ich möglicherweise teilen, und ich verfolge die Möglichkeit einer gemeinsamen Arbeit durch nichtsprachliche Texte wie Gesten oder Karten. So verhalten sich ganz offensichtlich Kinder, wenn sie auf jemanden treffen, die sie nicht verstehen. Durch diese Methode soll weder die eigentliche Bedeutung noch die korrekte Interpretation gewonnen werden. Es ist einfach nur eine Weise, Unverständlichkeit in eine Art von Verständlichkeit zu verwandeln. Der Versuch zu sagen „Lass mich versuchen, dich zu verstehen“ ist von Anfang an etwas Kollektives, ein gemeinsames Versuchen (kyōsonzaiteki). Ohne zu zögern, würde ich diesen Ansatz eine materialistische Auflösung von Unverständlichkeit nennen. Unverständlichkeit ist eine Frage der Sozialität. Wir lernen, dass Unverständlichkeit mehrschichtig ist und viele potenzielle Beziehungen umfasst. Unser Versuch zu übersetzen, lässt erkennen, dass wir an vielen potenziellen Beziehungen von Unverständnis beteiligt sind, in denen wir uns selbst entdecken.

Ein Übersetzungsakt führt zu einem weiteren Übersetzungsakt, da er in einer Sozialität stattfindet. Übersetzung bedeutet Wiederholung. Diese Essenz der Übersetzung lässt sich bereits erahnen. Wenn ich von Übersetzung spreche, möchte ich mich dem Akt der Übersetzung auch unter diesem Aspekt nähern.

Verhält es nicht auch so, dass der Akt der Übersetzung die Dimension seiner Repräsentation nicht vollständig überschreiten kann? Durch Übersetzung zu verstehen, bedeutet zur Welt zurückzukehren und festzustellen, dass sich die Welt, zu der wir zurückkehren, verändert hat. Wie ich zu Beginn dieses Essays sagte, die „heterolinguale Adressierung“ ist eine Verweigerung der idealistischen Auflösung einer Situation des Unverständnisses.

Anstelle einer Schlussfolgerung

Seit dem Beginn der deutschen Romantik im 18. Jahrhundert sowie seit den Argumenten der Sorai-Schule und anderer Projekte, deren historische Bedeutung mein Verständnis übersteigt, war Übersetzung die zentrale Institution der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Ohne die Institutionalisierung der Übersetzung angemessen zu berücksichtigen, wäre es nicht möglich, die Herausbildung der modernen europäischen Sprachen oder der japanischen Sprache zu verstehen. Darüberhinaus ging das Regime der Übersetzung immer mit dem Projekt des Aufbaus einer Nation einher. So war es beispielsweise üblich, zu argumentieren, dass das Ideal der Demokratie nur mittels einer homogenen nationalen Sprache realisierbar sei. Diese Logik, eine Gesellschaft auf der Grundlage der Annahme einer nationalen oder ethnischen Sprache zu imaginieren, und in dieser Gesellschaft dann Demokratie zu entwickeln, hat indes längst nicht mehr die Relevanz, die ihr einst zukam. Das demokratische Subjekt ist heute nicht mehr Teil der Nation oder der Ethnie, sondern ist Migrant_in und Flüchtling. Es sind jene, die sich auf heterogene Weise von der angenommenen Homogenität der Nation abheben. Es ist notwendig, Demokratie nicht entsprechend der Figur der Nation zu denken, sondern entsprechend der Figur de_r Fremden in uns – das heißt, sich eine demokratische Gesellschaft zu vergegenwärtigen, die nicht auf nationalen Sprachen, sondern auf der Sprache der Übersetzung basiert.[7]

Indem ich den Tropen der „Übersetzung als Filter“ nachgegangen bin, habe ich zu zeigen versucht, auf welche Weise die Repräsentation der Übersetzung den Bedingungen ihrer historischen Beschränkungen unterliegt. Es gibt andere Themen, die ich hier hätte behandeln können, durch eine Analyse der vielfältigen Formen, die Übersetzung annehmen kann und – in Erweiterung dazu – der Verarmung der Form als ein Ergebnis der Formierung des Nationalstaats. Ich hätte etwa mehr Platz dafür verwenden können zu illustrieren, dass die Einheit einer nationalen Sprache nicht in der Erfahrung gegeben ist, sondern nur als eine regulative Idee Bestand hat. Aber diese Themen wurden anderswo behandelt. Indem ich der Trope „Übersetzung als Filter“ im Hinblick auf die Figur der internationalen Welt nachgegangen bin, habe ich betont, dass die Repräsentation der Übersetzung darüber funktioniert, dass sie die internationale Welt reproduziert.

Die moderne internationale Welt entwickelte sich um zwei grundlegende Achsen: Eine Achse ist die sich kontinuierlich ausweitende Bewegung der Kommodifizierung, während die andere die Bewegung der Eingrenzung ist, die die vielfältigen „unverständlichen“ Differenzen in dem Versuch einfängt, sie in Richtung „verstandener“ Differenzen des Systems koexistierender Nationalstaaten aufzulösen. Ersteres ist als Bewegung der Kapitalakkumulation bekannt. Von Letzterem hingegen haben wir noch kein adäquates Verständnis. Der Nationalstaat hegt und pflegt das „Leben“ der auf dem Territorium dieses Staates angesiedelten Bevölkerung zum Zwecke ihrer Verwaltung. Dies jedoch ist nur ein Aspekt der Biopolitik der Nationalität. Der Nationalstaat begründet seine Souveränität zudem dadurch, dass er selektiv Körper aus den nationalen Grenzen ausweist, die sein Territorium durchqueren, oder auch dadurch, dass er diese in sein Territorium einschließt. Die Herstellung des nationalen Subjekts ist immer von Dispositiven des Ausschlusses wie auch der Integration jener begleitet, die nicht Teil der nationalen Bevölkerung sind. Zudem bewegt sich die Selbstlegitimierung staatlicher Souveränität zunehmend in Richtung des Bereichs der Sicherheit. Eben aus diesem Grund vergleichen Leute wie Zygmunt Bauman und Giorgio Agamben den Nationalstaat mit einem „Konzentrationslager“. Die Bewegung der Kapitalakkumulation und die Bewegung der Klassifizierung der globalen Menschheit in Nationalstaaten wirken zusammen und sind Komplizinnen. Um uns der Globalisierung entgegenzustellen, müssen wir uns daher zunächst der Struktur der nationalstaatlichen Herstellung von Subjektivität entgegenstellen. Der Frage der Übersetzung entkommen wir nicht, eben weil eine kritische Analyse des Kapitalismus nicht auf der Grundlage der Annahme eines nationalen Subjekts durchgeführt werden kann.[8] Denn die Repräsentation der Übersetzung postuliert die Einheit einer nationalen Sprache und die Einheit einer nationalen Sprache bildete den inneren Kern der Techniken zur Herstellung nationaler Subjektivität. Durch die Erfindung einer anderen Weise, Übersetzung zu repräsentieren, können wir fortfahren, nach einem Modus kollektiven Seins zu suchen, der weder national noch ethnisch ist.

Dieser Text wurde am 25. März 2010 in der Online-Version der Zeitschrift Transeuropéennes. International Journal of Critical Thought veröffentlicht und kann dort auf Englisch und Französisch konsultiert werden; vgl.: http://www.transeuropeennes.eu/en/articles/200/Translation_as_a_filter.



[1] Vgl. Naoki Sakai, „Introduction. Writing for Multiple Audiences and the Heterolingual Address“, in: Ders., Translation and Subjectivity: On "Japan" and Cultural Nationalism, Minneapolis: University of Minnesota Press 1997.

[2] Roman Jakobson, „Grundsätzliche Übersetzbarkeit: Linguistische Aspekte der Übersetzung“, hrsg., kom. u. übers. v. Elmar Holenstein in: Ders., Semiotik: Ausgewählte Texte 1919–1982, Frankfurt/M.: Suhrkamp, S. 483.

* Deutsch im Original

[3] Thongchai Winichakul, Siam Mapped: A History of the Geo-body of a Nation, Honolulu: University of Hawaii Press 1994.

[4] R. Jakobson, op. cit., S. 483.

[5] Zur Ethik von Watsuji, vgl. Watsuji Tetsurō zenshū [Tetsuro-Watsuji-Gesamtausgabe], Jg. 10/11, Tokio: Iwanami Shoten 1962; Watasuji Tetsuro’s Rinrigaku: Ethics in Japan, übers. V. Yamamoto Seisaku/Robert Carter, Albany: Suny Press 1996; Tetsurō Watsuji, A Climate, a Philosophical Study, übers. v. Geoffrey Bownas, Hokueseido Press 1971.

[6] Vgl. die „Einleitung“ zu Translation and Subjectivity, op. cit.

[7] Vgl. Étienne Balibar, „Schwieriges Europa: Die Baustellen der Demokratie“, in: Ders., Sind wir Bürger Europas? Politische Integration, soziale Ausgrenzung und die Zukunft des Nationalen, übers. v. Olga Anders/Holger Fliessbach/Thomas Laugstien, Hamburg: Hamburger Edition 2003, S. 253–279, hier insb. S. 287 f.

[8] Vgl. Naoki Sakai/Jon Solomon, „Introduction: Addressing the Multitude of Foreigners, Echoing Foucault“, in: Dies. (Hg.),  Traces (4): Translation, Biopolitics, Colonial Difference, Hong Kong: Unversity of Hong Kong Press 2006, S. 1–35.