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01 2011
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Von der Prekarität zum Risikomanagement und darüber hinaus

Übersetzt von Therese Kaufmann

Angela Mitropoulos

Angela Mitropoulos

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Konzeptuell und historisch schwankt prekäre Arbeit zwischen merkwürdigen Symmetrien: Sie ist öffentlich und privat zugleich, sie wird sowohl zu einer allgemeinen sozialen Bedingung aufgeblasen als auch als persönliches Scheitern wahrgenommen, und sie ist gleichermaßen ein Index für Deregulierung und für die zunehmende Verbreitung von Zwang. Indem sie die Unterscheidung zwischen Arbeits- und Lebenszeit verschwimmen lässt, könnte sie ein Hinweis auf die Abnahme der eigentlichen Arbeitszeit sein, während sich zugleich all die Weisen erweitern, in denen wir ständig erreichbar sind, uns ständig auf Arbeit vorbereiten oder ständig Arbeit suchen. Um es anders zu formulieren: Sie markiert die paradoxale Bedingtheit des liberalen (oder vielleicht neoliberalen) Subjekts, das gleichzeitig autonom und unter Zwang ist, situiert in einem Feld, in dem ausgedehnte Freiheit in der Wirtschaft neben zunehmenden Beschränkungen der Migrationsbewegungen von Menschen besteht, Globalisierung neben Grenzkontrolle, in dem Selbstbestimmung mit Konformität zusammenfällt, die unsichtbare Hand des Marktes mit der eisernen Faust des Staates. Nichts davon lässt die üblichen Kritiken am Liberalismus einen Ausweg aus diesem Paradox eröffnen oder auch nur einen Weg, es zu verstehen, egal, ob diese Kritiken aus konservativen oder progressiven, aus sozialdemokratischen oder nationalsozialistischen Ansätzen hervorgehen.

Die als typisch für den Fordismus betrachtete normale Arbeit, normale Bezahlung oder der normale Arbeitstag stellen in der Geschichte des Kapitalismus eine Ausnahme dar.[1] Jenseits einer kleinen Anzahl von Ländern in einem kurzen historischen Zeitraum und außerhalb bestimmter Berufe in einzelnen Industriezweigen, war die Erfahrung von Arbeit im Kapitalismus größtenteils diskontinuierlich, ohne garantiertes zukünftiges Einkommen, ohne zeitliche Grenzen und oft gänzlich ohne Bezahlung. Dort, wo sie überhaupt existierte, war eine feste und sichere Vollzeitarbeit abhängig von der Organisation und Aufrechterhaltung prekärer Bedingungen für die große Mehrheit der Weltbevölkerung. Analytisch und politisch war die Annahme, dass der Lohn (und seine Verteilung oder Abwesenheit) eine antagonistische politische Inwertsetzung darstellte, ganz einfach eines der wesentlichsten Mittel, durch die die Wertform in Zeiten ihrer starken Unsicherheit wiederhergestellt wurde. Die Frage, die ich stattdessen stellen möchte, ist jene nach der Verteilung von Überschuss und der Auferlegung von Mangel, worin der Lohn sowohl eine Technik als auch ein Abbild darstellt. Die fordistische Unterscheidung zwischen Arbeitszeit und Freizeit wurde ermöglicht durch unbezahlte Hausarbeit; die Herausbildung des Wohlfahrtsstaates wurde garantiert durch die kolonialen Formen der Akkumulation, Gewalt und Krieg. Der viel gefeierte Protektionismus der Sozialdemokratie wurde ermöglicht durch Gesetze und Praktiken, die ebenso nationalistisch wie sexistisch waren; der Nationalsozialismus seinerseits entfesselte – von der Aufhebung kapitalistischer Krisen und Antagonismen, trotz gleichzeitiger Aufrechterhaltung kapitalistischer Ausbeutung, fantasierend – eine Katastrophe von solch einer Größenordnung und Grausamkeit, dass er die auffälligste Erinnerung daran bleibt, wie sich der Traum von Sicherheit als Alptraum materialisiert.

Um es einfach auszudrücken: Es gibt keinen Kapitalismus ohne Krise. Prekarität ist die kapitalistische Norm. Die Geschichte prekärer Arbeit – eigentlich die Geschichte des Kapitalismus – ist eine Geschichte der Einsetzung, der Überschreitung und Neuerrichtung von Grenzen; es ist die Geschichte der von der Kapitalakkumulation geforderten Organisation, Verschiebung und Inwertsetzung von Krise und Risiko. Zudem ist die Erfahrung prekärer Arbeit daher nicht eine des Verlusts. Sie sollte weder Nostalgie noch Optimismus auslösen. Vielmehr könnte sie eine Geschichte der Kämpfe in den Blick nehmen, die überkommenen Narrativen von Niedergang und Modernisierung zuwiderläuft. Insofern könnte sie eine Warnung vor dem großen Glauben an Projekte der Inklusion von Rechten und Anerkennung sein – also an die Neugründung von Verträgen. Sie könnte auch den Blick auf Fragen danach schärfen, wie der Mangel eingerichtet und durchgesetzt wird, wie politische Kämpfe diesen Prozess anfechten und transformieren oder mit ihm zusammenspielen können. Da sich in den letzten zwanzig Jahren des 20. Jahrhunderts tatsächlich etwas radikal bewegte, wurde es plausibel, wenn nicht gerade vom Aufstieg prekärer Arbeit zu sprechen, so doch von ihrer Ausdehnung jenseits des Komplexes von ‚Rasse’, Klasse, Geschlecht und Geopolitiken, auf den sie bisher beschränkt war.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fanden drei große, nicht von einander trennbare Umbrüche statt. Der erste Umbruch betrifft die seit den späten 1950er Jahren einsetzende Flucht aus der fordistischen Fabrik, aus ihrer Disziplin des Fließbands, ihren gesellschaftlichen Normen und ihrer Standardisierung. Die politischen Traditionen des Operaismus und der Autonomia, insbesondere die frühen Schriften von Mario Tronti, Sergio Bologna und Antonio Negri , beziehen sich auf diesen Moment als jenen der Flucht aus den Fabriken.[2] Doch dies bedeutet nicht einfach, dass jüngere männliche Arbeiter sich weigerten zu arbeiten. Wo Tronti und andere über die Entstehung des Soziallohns schreiben (oder so übersetzt wurden), ist es präziser, von Familienlohn zu sprechen. Als Henry Ford in der Frühphase des 20. Jahrhunderts die Fließbandproduktion einführte, war er konfrontiert mit einem einfach erscheinenden Problem, das jedoch eine ziemlich komplexe Lösung eröffnete. Die Arbeit am Fließband war und ist nach wie vor todlangweilig. Das unmittelbare Ergebnis bestand darin, dass die ArbeiterInnen ganz einfach davonliefen. Seine Fabriken hatten pro Jahr eine Fluktuation, die fast viermal so groß war wie die gesamte Belegschaft. Die tägliche Abwesenheit lag bei ca. 10 Prozent. Vor der Weltwirtschaftskrise von 1929 gab es schlicht nicht genug Armut und Entbehrung, um eine Arbeitsdisziplin aufzuerlegen und damit sicherzustellen, dass viele zur Arbeit kamen oder sehr lange blieben. Deshalb führte Ford 1914 den Familienlohn ein. Er war höher als das Durchschnittseinkommen zu jener Zeit und wurde als „Ernährerlohn“ ausschließlich an Männer ausbezahlt, wodurch Frauen aus der Fabrik vertrieben wurden; zudem wurde das Familieneinkommen vom Verbleib in der Fabrik für länger als sechs Monate und von der Befolgung eines Moralkodexes über Sexualität, Alkohol und Sparsamkeit abhängig gemacht. Der hier entstandene Soziallohn kann nicht außerhalb seiner Bedingtheit als Familienlohn verstanden werden, er hatte seine Voraussetzung nicht nur in der Aktiengesellschaft, sondern auch in der Untrennbarkeit von Heteronormativität, Rassifizierung, Produktivismus und Nationalismus.[3]

Der zweite Umbruch bezieht sich auf das Entstehen der großen sozialen Bewegungen rund um BürgerInnenrechte, Feminismus, die Schwulen- und Lesbenbewegung und verschiedene antikoloniale Kämpfe. Zusammen stellten diese Bewegungen die fordistischen Ordnungen von der Ebene des Persönlichen bis zur globalen Ebene in Frage. Doch wurden die Identitäten, die innerhalb dieser Bewegungen oder als ihre vorherrschenden Formen der Repräsentation entstanden waren, ganz am Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend als Vereinnahmung und Normalisierung erfahren, als eine Einschränkung, die es zu überwinden galt. Der Feminismus musste sich kritisch damit auseinander setzen, von der Figur der weißen Mittelklassefrau aus den USA ausgegangen zu sein, mitsamt seinem Eurozentrismus und seiner Homophobie. Die Schwulen- und Lesbenbewegung erlebte Spaltungen, Konflikte und Erneuerungen rund um Sexualität und Geschlecht usw.

Drittens aber und möglicherweise am dramatischsten änderten die Migrationsbewegungen der vorhergehenden Jahrhunderte (die Bewegungen aus der ‚alten’ in die ‚neue’ Welt) – genau in dem Moment, als die antikolonialen Kämpfe ihren ultimativen Ausdruck im Dritte-Welt-Nationalismus fanden oder zu einem solchen hingelenkt wurden – ihre Richtung und kehrten sich um. Die Migration seit den 1970er Jahren von den Peripherien ins Zentrum ist sowohl hinsichtlich ihres Ausmaßes als auch ihrer Richtung historisch beispiellos. Am Ende des 20. Jahrhunderts – mit dem Rückgang der im Kalten Krieg bereitgestellten Unterstützung, dem Zusammenbruch von Bretton Woods usw. – wurde der Dritte-Welt-Nationalismus weniger von der Verheißung der Befreiungsbewegung als von einer neuen Form der Einschließung geprägt. Angesichts der anhaltenden Ausweitung der kapitalistischen Formen der Akkumulation wurde aus dem Projekt der Selbstbestimmung eine Administration der Selbstausbeutung auf dem Weltmarkt. Repräsentations-, Sichtbarkeits- und Anerkennungspolitiken wurden nur allzu oft in die Dynamiken von Nationalismus, Homophobie und Sexismus übersetzt, also in die Befestigung von Identität und die Kontrolle innerer Feinde. Befreiung wurde vertraglich eingehegt. In gewisser Weise hätte dies nicht überraschen sollen: Es ist nicht möglich, eine ‚Rasse’, ein Volk, eine Nation oder deren zeitliche Kontinuität zu denken, ohne die Durchsetzung von Produktions- und Reproduktionsnormen, ohne das Insistieren auf normativen Praktiken von Geschlecht und Sexualität.

Am Ende des 20. Jahrhunderts lässt sich in den Metropolen Europas und der USA nicht nur die Ausdehnung von Grenzkontrollen gegen diese enormen Migrationsbewegungen erkennen, sondern auch die Kolonisierung der großstädtischen Räume. Die prekären Bedingungen, die so lange auf die globale Peripherie oder auf die von Frauen, Nicht-StaatsbürgerInnen oder rassifizierten Anderen dominierten Berufe beschränkt waren, begannen sich in die Kernbereiche des Weltmarktes hinein auszubreiten, in die beruflichen Klassen und jene Räume, die lange als sicher betrachtet worden waren. Um es deutlich zu sagen: Die verschiedenen sozialen Bewegungen, die Migrationsbewegungen und die Flucht aus Fabrik und Kernfamilie zwangen die KapitalistInnen, sich auf Prekarisierung zu verlegen, um die Akkumulation und den Zwang zu Disziplin und Kontrolle zu erneuern.

Das ist der Grund, warum die Analysen und politischen Kämpfe rund um Prekarisierung oft Gefahr laufen, erneut eine fordistische Politik geltend zu machen – nicht in ihrem eigentlichen materiellen Sinn, da die Bedingungen, die diese ermöglicht hatten, von einer Reihe von Kämpfen überwunden wurden, sondern sowohl als Wiederauferstehung affektiver Bindungen an konservative Agenden als auch als Streben nach einer transzendentalen Sicherheit, egal ob theologisch, militärisch oder eine Kombination aus beidem. An anderer Stelle habe ich darauf hingewiesen, dass das Prekärsein des Lebens, das umso nachhaltiger erfahren wird, weil das Leben von bezahlter Arbeit abhängt, die Tendenz hat, die etymologische Lücke zwischen Beten [precor] und dem Prekären [precarius] zu schließen.[4] Sergio Bologna, Lauren Berlant und andere haben seither ausführlicher die konformistischen Neigungen diskutiert, die durch die Ausweitung prekärer Arbeit verstärkt werden.[5]

Nebenbei sei bemerkt, dass diese von mir allzu schematisch dargestellte Geschichte den Kontext darstellt, in dem der Poststrukturalismus, oder was normalerweise darunter verbucht wird, situiert werden könnte. Die Kritiken an Essenzialismus und Identitätspolitiken, die Verlagerung weg von Repräsentationspolitiken und ein Anti-Fundationalismus sind vielleicht die offensichtlichsten Anzeichen dafür. In einem komplexeren Sinn könnte der anti-hegelianische Turn – oft praktiziert als Kritik linearer, forschrittsorientierter, binärer oder dialektischer Geschichtsparadigmen – als Bewegung weg von fordistischen Produktions- und Reproduktionsnormen gelesen werden, was so viel heißt wie: weg sowohl vom Fließband als auch von der binären sexuellen Differenz der Heteronormativität.

Trotzdem gibt es den Kapitalismus immer noch. Akkumulationsstrategien haben immer die Inwertsetzung und das Management von Risiko eingeschlossen, den Handel mit geringer Differenz, Verbriefung, Spekulation und Termingeschäfte. Auf diese Art wird die Flucht zunehmend auf das Vertragliche zurückgeworfen, oder sie wiederholt es – und von daher das zeitliche Fortdauern des Kapitalismus. Dieses Imperium konstituierte sich vor allem in der Durchquerung der unvorhersehbaren Umgebung der Grenze [frontier], und es war das Zusammenwirken von Haushalt und Geldwirtschaft an der Grenze, das als effektivster Mechanismus seiner intensiven und extensiven Ausgestaltung diente. Entgegen eines Verständnisses von Imperium, das fast ausschließlich auf Basis eines Herrschafts- oder Homogenisierungsmodells vorgestellt wurde, war jenes Imperium, das durch Grenzräume vorstieß, geprägt von ozeanischer Expansion und bürgerlichem Recht sowie einer sehr speziellen Kombination aus Militärstrategie und Rechtsform. Rule, Britannia! machte Anleihen bei der Piraterie (und erklärte manche zu rechtmäßigen Piraten), um seine Herrschaft auf den Wellen sicherzustellen.[6] Das bürgerliche Recht entfaltet sich, im Vertrauen auf das Präzedenzrecht, in einem subtilen Spiel von Präzedenz und Annäherung – oder anders gesagt: Das bürgerliche Recht steuert die Macht durch Wiederholung und Variation.

Doch es war der Grenzhaushalt, der die architektonische und innere Dynamik bereitstellte, die es ermöglichte, Grenzen zu entkommen und sie wiederherzustellen. Und so wurde in jüngerer Zeit die Flucht aus der fordistischen Disziplin zu dem, was Andrew Ross als „Industrialisierung der Boheme“[7] bezeichnet hat – hauptsächlich verortet in der Ununterscheidbarkeit von Arbeitsplatz und Zuhause. Richard Floridas Idee der „kreativen Klasse“ legt weniger die Vorrangstellung kreativer Arbeit nahe, sondern vielmehr Strategien für die Ausbeutung nicht-normativer „Lebensstile“, und im Bereich digitaler Arbeit und sozialer Netzwerke ist es natürlich Web 2.0, das als Umleitung des General Intellect in Profit bezeichnet wurde – was wiederum zu einem Großteil im Raum des Haushalts stattfindet.[8] Weiter folgten Gentrifizierung und eine unternehmerische Top-down-Variante der Flexibilisierung als Folge der Ausbreitung nicht-normativer Haushalte, darunter StudentInnen-WGs, jene, die (im Gegensatz zum fordistischen Ehemann) wegen Kinderbetreuung weniger Zeit am Arbeitsplatz verbringen müssen, für die bezahlte Arbeit als Unterstützung eines interessanteren Lebens anderswo gilt, sogenannte AlleinerzieherInnenhaushalte usw.

In jedem Fall lässt sich die Inwertsetzung des Risikos und des betont Nicht-Normativen vielleicht am stärksten in der Entstehung des Subprime-Wohnungsmarkts erkennen, in den Derivaten, der zunehmenden Bedeutung der Versicherungsindustrie und ihren Spekulationen mit Tod und Krankheit sowie im Ansteigen und der Ausdehnung individueller Verschuldung, welche – neben der Privatisierung von Gesundheitsversorgung, Bildung, Wohlfahrt, Wasser und Energie – allesamt ein persönliches, vertragliches Netz aus Verantwortung, gegenseitiger Verpflichtung und der absehbaren Zwangsvollstreckung radikal anderer Futures hervorgebracht haben.

Dies ist die Verwandlung von Risiko in Profit, die Neueinsetzung von Grenzen durch Verträge, die Wiederherstellung produktivistischer (und reproduktivistischer) Normen durch persönliches Selbstmanagement. Wo das Fließband Management von Arbeit unterschied, heftet der Postfordismus diese in der Internalisierung des Befehls wieder zusammen, verzahnt Produktion und Reproduktion, Intimität und Abstammung, die Räume von Arbeit und Leben, Lebenszeit und Arbeitszeit ineinander. Diese Verknüpfung von Autonomie und Zwang in einer neo-vertraglichen, finanzbezogenen Form der Subjektivität setzt den Haushalt als sein Objekt und seine Basis voraus. Vieles davon basiert auf der systematischen Verschiebung der Risiken und Krisen des Kapitalismus auf den Haushalt – etwas, das der Internationale Währungsfonds in einem Bericht 1995 feststellte, als er (gleichwohl nicht besonders treffsicher, wie sich herausstellen sollte) meinte, der Haushaltssektor würde als „letzter Stoßdämpfer“ fungieren. Der IWF stellte das Problem folgendermaßen dar:

„[…] über mehrere Jahre ist es zu einer Verschiebung des Finanzrisikos vom Bankenwesen zu anderen, nicht den Banken zugehörigen Bereichen gekommen. […] Diese Risikoverteilung hat das Finanzsystem belastbarer gemacht – nicht zuletzt, weil der Sektor privater Haushalte zunehmend als ‚letzter Stoßdämpfer’ fungiert.“[9]

Die Frage des Haushalts ist, was offensichtlich sein mag, aber doch möglicherweise unterstrichen werden muss, eine Frage der Lebensformen. Und diese wird zunehmend als Frage von Ansteckung und Verträgen gestellt.

Ansteckung scheint heute ebenso sehr eine allgemeine Hermeneutik wie ein biologisches Modell der Generierung, der Übertragung und des Verlaufs verschiedener Krankheiten darzustellen. Politik ist epidemologisch geworden. Ansteckung ist das emblematische Mem – und das Mem verbreitet sich per definitionem aufgrund von Ansteckung. Ansteckungen sind gleichzeitig affektiv, finanziell und biologisch. Die Finanzkrise von 1997 in Teilen Asiens wurde als „Asiatische Grippe“ beschrieben. Es gab die Subprime-Ansteckung und in jüngerer Zeit die „griechische Ansteckung“. PopulärpsychologInnen sprechen vom Ansteckungs-Effekt, der Mimikry, Anfälligkeit und Wiederholung mit sich bringt. Marketing wird viral, sein wissenschaftlicher Zweig beschäftigt sich mit der Mustererkennung. Überwachung wird zum Panspektrum. Biotechnologie und Risikokapital betreiben das Rekombinante und Symbiotische. Mit dem Begriff der emerging diseases wurde aus dem War on Terror Bio-Abwehr und biologische Spekulation. Ansteckung gilt im Netzwerk als endemisch und als exemplarisches Modell der Globalisierung. Und so weiter.

Konkret: Es wird nur allzu leicht angenommen, dass Migrationspolitiken selbstverständlich und natürlich ein Instrument für Hygiene, Quarantäne und Immunisierung darstellen, dass Grenzen dazu da sind, das Leben selbst zu schützen, und sie die Umrisse organischer Entitäten nachzeichnen: Man denke nur an Körperpolitik, Bio-Souveränität, die ‚englische Lebensart’ usw. Wenn man dieser Sichtweise folgt, ist Migrationskontrolle eine Angelegenheit öffentlicher Gesundheit und gesellschaftlicher Ordnung, und besonders undokumentierte oder schlecht regulierte Migration stellt ein erhebliches Risiko für unser Leben dar. Wohlfahrt und Kriegsführung verschmelzen zu Bio-Sicherheit. Von da an ist die Neigung zu moralischen, autoritären oder offen faschistischen Auffassungen von Ansteckungen und Grenzen in der Praxis eine mehr oder weniger gewalttätige. Die naheliegendste Figur ist hier natürlich die der/des MigrantIn als KrankheitsträgerIn, die des fremden Erregers.

Priscilla Wald schreibt über Mary Mallon, auch bekannt als Typhoid Mary:

„Die Entdeckung menschlicher Krankheitsüberträger untermauerte die Konturen der Kontaktphobien, was die einfache Aufnahme von Typhus in den Diskurs vom ‚Genosuizid’ erklärt. Typhusepidemien betrafen die Wohlhabenden ebenso oft wie die Armen. Somit dienten sie als passende Analogie für die Auslöschung der weißen ‚Rasse’, die die Konkurrenz durch die billige Arbeit von MigrantInnen begleiten sollte. […] Sprich: Das weiße Mittelklasse-Amerika befand sich sowohl physisch als auch ökonomisch im Belagerungszustand.“[10]

Die Begriffe des Gesundheitswesens und die Geschichte der Migrationspolitik sind eng mit einander verflochten. Die Ansteckungspaniken beschwören ‚Rasse’, Klasse, Geschlecht, Sexualität, Grenzpolitiken, Kolonialgeschichte und Postkolonialität zugleich. Die in letzter Zeit verpflichtende Internierung undokumentierter MigrantInnen in Australien ergibt sich aus der langen Geschichte der Quarantäne ebenso wie aus der ähnlich langen und grausamen Geschichte von Krieg und Sonderbefugnissen. Doch sollte diese historische Verknüpfung uns nicht dazu führen zu glauben, Grenzkontrollen wären tatsächlich Techniken für die Ausrottung von Krankheiten – ebenso wenig wie wir annehmen sollten, dass durch Grenzen Bewegung an sich gestoppt würde. Worum es bei der Überwachung der Grenzen geht, ist nicht die Ausrottung übertragbarer Krankheiten, sondern ihr Management, ihre Verteilung und zunehmend auch ihre Inwertsetzung.

Die Grenze ist durchlässig und mobil. Die Frage, die die Migrationskontrolle zu beantworten sucht, ist nicht eigentlich, wie die Ausbreitung der gefährlichen Klassen und fremder Bakterien, der wahllose Austausch von Körperflüssigkeiten, Daten oder Mikroben aufzuhalten wäre. Im Gegenteil: Die Frage der Migrationskontrolle lautet, wie Bewegung in Zirkulation, Kommunikation in Handel und der Moment des Kontakts in einen Fall von Austausch zu verwandeln wäre. Darin besteht ein ständiges Pendeln zwischen der Öffnung und der Schließung von Grenzen, zwischen Verbindung und Quarantäne, Deterritorialisierung und Reterritorialisierung, dem Flüssigen und dem Festen.

Doch wenn all dies nahe legt, dass dem Imperium Ansteckung kaum fremd ist, bedeutet dies nicht, dass das Imperium mit Ansteckung korrespondiert und ihm eine Politik der Hygiene, Immunisierung oder Pathologisierung entgegen gesetzt werden sollte oder kann. In anderen Worten: Weder eine orthodoxe Marx-Lektüre noch das rasche Lesen von Deleuze und Guattari werden ausreichen. Die Sozialdemokratie hatte die Vorstellung, sie würde die Ausbreitung kapitalistischer Ausbeutung durch staatlichen Schutz aufhalten. Historisch gesehen ist das der Grund, warum die ArbeiterInnenparteien eine derartige Bindung an Migrationskontrolle entwickelt haben. Dies ist ein nach wie vor gegenwärtiger Ansatz, und ein Aufsatz über das Ansteigen prekärer Arbeit bezeichnet ihn als pandemisch. Hardt und Negri rutschen, wenn sie über Globalisierung schreiben, möglicherweise etwas zu leicht in die Begrifflichkeit der „universellen Ansteckung“.[11] Einige Fans von Deleuze und Guattari hingegen klingen oft wie Biotechnologie-KapitalistInnen oder israelische MilitärstrategInnen.

Christopher Kullenberg und Karl Palmås schreiben in ihrem Essay „Contagiontology“ über Gabriel Tarde und darüber, was sie als Niedergang des durkheimschen Ansatzes in Bezug auf soziale Formen fassen:

„In unserer Ontologie der Ansteckung müssen wir genauer werden in der Unterscheidung zwischen promiskuitiven und schnell mutierenden Ansteckungen und kontrollierenden und dogmatischen Ansteckungen. […] Deleuze und Guattari werden ihre LeserInnen wiederholt ersuchen, nicht zu viel Hoffnung in das allzu einfache Niederreißen von Hierarchien zu setzen. […] Wenn sie über die Kriegsmaschine und glatte Räume schreiben, heben sie beständig hervor, dass den Prozessen der Deterritorialisierung das Gute nicht inhärent ist.“[12]

Ob und wie der durkheimsche Ansatz tatsächlich in den Hintergrund gedrängt wurde, ist meiner Meinung nach diskutabel. Genauso, wie es eine breite Diskussion gibt über normale und prekäre Arbeit und über die Verbindung zwischen dem, was wir als fordistische und als post-fordistische Arbeitspraktiken betrachten. Es bestehen einige frappierende Parallelen zwischen dem Fordismus und der durkheimschen Soziologie. Was sie teilten, war eine disziplinäre Unterscheidung zwischen Natur und Gesellschaft, die ihren ersten Impuls in einer fortschreitenden Denaturalisierung sozialer Normen fand und in der Bekräftigung eines organischen, genealogischen Verständnisses sozialer Bindung mündete. Selbstverständlich verfügte die Fabrik Henry Fords über eine Abteilung für Soziologie, und es drehte sich immer um die Frage nach der Anbindung der Lebensform an die Produktivität, nach der produktiven Organisation einer Biomasse und ihrem Management.

Es geht somit nicht einfach um die Unterscheidung zwischen Promiskuität und Kontrolle, oder zumindest dann nicht, wenn sie als Platzhalter für die oft damit assoziierten Unterscheidungen zwischen offen und geschlossen, Netzwerk und Hierarchie, liberal und autoritär, vertikal und horizontal usw. gelesen werden. Die Unterscheidung – und damit die politische und analytische Frage – ist spezifischer und buchstäblicher: Sie ist es, was die Tendenz zu moralischer, autoritärer oder unverhohlen faschistischer Gewalt an der Grenze und durch die Grenze beschleunigen und legitimieren kann. Deleuze und Guattari formulieren es folgendermaßen:

„Wie kann man eine Bevölkerung, ein Sich-Fortpflanzen oder ein Werden ohne Filiation oder Produktion durch Vererbung verstehen? […] Das ist ganz einfach und jeder weiß es, auch wenn man darüber nur im Geheimen spricht. Wir stellen die Epidemie der Abstammung gegenüber, die Ansteckung der Vererbung, die Bevölkerung durch Ansteckung der geschlechtlichen Fortpflanzung und der sexuellen Produktion. Menschliche und tierische Banden vermehren sich durch Ansteckungen, Epidemien, Schlachtfelder und Katastrophen.“[13]

Genealogie und Ansteckung sind die offensichtlichen, aber doch oft impliziten Fragen kapitalistischer Strategie. Wie kann Ansteckung wirtschaftlich produktiv gemacht werden? Wie kann Kontakt zurückgefaltet werden in einen Vertrag? Wo Kontakt das Risiko von Ansteckung, Kontingenz und Berührung anzeigt, die weder eine Sache des Willens noch der Selbstkontrolle sind, setzt der Vertrag ein Subjekt voraus, das Selbstmanagement, Verantwortung und Autonomie verkörpert. Und es ist der Versicherungsvertrag, der zunehmend zwischen diesen beiden Momenten vermittelt.

Rosalind Morris schreibt in ihrem Essay „Rush/Panic/Rush: Speculations on the Value of Life and Death in South Africa’s Age of AIDS“:

„[…] wenn wir Aids verstehen wollen, müssen wir die offensichtliche Gleichzeitigkeit zweier Diskurse verstehen, eines der Panik und eines anderen der Anpassung durch Veranlagung. […] Aids verlangt, dass wir das Verhältnis von Panik und Rausch neu verstehen. Der Rausch ist das Ergebnis einer spekulativen Ökonomie und hat eine lange Vorgeschichte in den Bergbaugemeinden […], insbesondere in jenen mit hochindustrieller Tiefbaugewinnung, wo die Aktienkapitalform des Finanzkapitals historisch so zentral war. Diese spekulative Ökonomie hat in Südafrika ein neues Objekt, und zwar die Versicherung. […] Die Anpassung an das Sterben, das von so vielen (Süd-)AfrikanerInnen heute eingefordert wird, wird – wenn auch nicht als bewusstes Ziel der KapitalistInnen – heute vom Kapital verlangt. Und was wir die Spekulation mit dem Tod und der Investition in ihn nennen könnten, tritt – in komplexen und stark vermittelten Weisen – durch neue Formen und Bereiche des Risikomanagements in Erscheinung. Dieses Management findet sich innerhalb des Versicherungswesens, wo es die Wert schaffende Dimension des Risikos bekräftigt und gleichzeitig scheinbar die Techniken anbietet, um dieses einzuschränken. Dies wird durch ein riesiges System von Verzeitlichungen erzielt, die das Risiko verteilen, ohne es zu beseitigen, und die einen neuen Gegensatz zwischen HIV-positiven und HIV-negativen Personen anstelle der alten ‚Rassenstrukturen’ pflegen, wobei sie letztere in Erinnerung rufen und in mancher Weise auch reinstallieren.“[14]

Morris weist darauf hin, dass rund 90 Prozent der Minenarbeiter sich selbst als Migranten betrachten und bemerkt zu Beginn ihres Aufsatzes, dass dies „möglicherweise die epidemologisch am besten untersuchte Gemeinde im südlichen Afrika darstellt, wenn man von der zweifachen Tatsache ausgeht, dass sie zentral durch Arbeitsmigration gebildet wird und Arbeitsmigration als Hauptfaktor für die Übertragung von HIV im subsaharischen Afrika gilt“.[15] Was ich Morris’ Analyse hinzufügen möchte, ist, dass dieser spezifische Komplex aus Rausch und Panik ungefähr zu jener Zeit, als ihr Aufsatz 2008 erschien, in einem der gewalttätigsten Momente von Xenophobie im Post-Apartheid-Südafrika kulminierte. Hier wurde Arbeitsmigration tatsächlich als primäre Überträgerin von Krankheit betrachtet. Hunderte von MigrantInnen wurden angegriffen, wovon einige in den Flammen den Tod fanden – oft begleitet von einem Hygiene- und Reinheitsdiskurs.

Diese Wert schaffende Dimension des Risikos und die oft gewaltsame Neueinsetzung von Grenzen kann in etwas anderer Form in der Subprime-Krise des Immobilienmarkts in den USA gesehen werden, in der darauf folgenden Rückkehr von ArbeitsmigrantInnen in ihre Heimatländer, in der Wiederkehr von Moralökonomie und neo-keynesianischer Fixierung auf Körperflüssigkeiten, Konjunkturprogramme, Nachfragesteuerung und Vertragsnormen. Doch während das Kapital durchaus in die Fußstapfen verschiedener sozialer Bewegungen treten mag, um aus diesen neuen Lebensund Beziehungsformen Gewinn zu erzielen, besteht dabei das Risiko für das Kapital selbst darin, dass kleinere Schwankungen sich zu Krisen für das Kapital ausweiten. Genau das war bei der Subprime-Krise der Fall.[16] Doch ich möchte hier mit einer etwas anderen Perspektive auf die „griechische Ansteckung“ schließen.

In der Antike war Ansteckung auf das Engste mit dem Zusammenbruch und Wiederaufbau des Imperiums verbunden, mit der Auflösung von Fundamenten und ihrer Wiedererrichtung. In seiner Geschichte Roms schreibt der römische Historiograph Livius von einer Reihe von Seuchen, aber auch von durch Ansteckung verbreitetem Aufruhr. Es „fehlte nicht viel daran“ schreibt er, „dass auch das Lager von der Auseinandersetzung in der Stadt angesteckt und in Unruhe versetzt wurde.“[17] In Livius’ Beschreibung bewegt sich die Ansteckung vom Haus über die Stadt zum Schlachtfeld und zurück.

Michel Serres legt seine Lektüre dieses römischen Texts und seines Narrativs von Gründung und Neugründung folgendermaßen aus:

„Die Masse ist fluid. Eine Institution ist stabil, fest. Die Gründung festigt die Masse. […] Krankheit und Ansteckung dringen in den Raum ein – Bakterien verbreiten sich, die Seuche kontaminiert die Fläche. […] Es kommt zu Zerstörung, Gewalt und Krieg. Das sind die Bilder der Menge. Dies sind die Avatare oder Erscheinungen von Bevölkerung. Doch es sind auch ihre Auftritte. Die Gründung ist somit der Übergang von Wasser zu Stein, der Übergang zwischen verschiedenen Phasen. […] Das [aufrührerische] Geschrei des Multiplen verursacht Lärm; es nimmt abrupt die Form von Hoffnung oder Täuschung an; es erreicht Harmonie, und diese Harmonie ist der Vertrag.“[18]

Cicero schreibt in ähnlicher Weise vom Aufruhr als Ansteckung und von der Seuche als Einleitung für Neugründung und Vertrag, für die Wiederherstellung von Grenzen und Identität. Doch wenn Cicero versucht, das, was er als griechische Philosophie bezeichnet, in das römische Idiom und seine genealogischen Linien der Pflicht zu übersetzen, wendet er sich den Stoikern und nicht den Epikureern zu. Wie allzu viele KommentatorInnen der finanziellen Ansteckungen zieht Cicero es vor, die Geschichte von der unumgänglichen Notwendigkeit des neuerlichen Zwangs zum Mangel zu erzählen, statt den tatsächlichen Überfluss zu sehen – ganz anders, als der römische Dichter Lukrez.

Für Lukrez ist Ansteckung nichts anderes als einfach die Geschichte vom Niedergang des Imperiums. Sein Werk Von der Natur, das unter anderem eine im Entstehen begriffene Darstellung der Theorie der Keime und Atome beinhaltet und heute noch die Vorstellungen von Chemie, Biologie und Physik prägt, endet mit einem Kapitel über Gewitter und Pest.[19] Doch für Lukrez gibt es keine Neugründung. Anders als bei Cicero dienen familiäre Pflichten im lukrezischen Narrativ ausschließlich der Vervielfältigung von Körpern. Es gibt keine Forderung nach Entbehrung, keinen Traum von der Neugründung. Noch gibt es Vorsehung. Für ihn macht die Angst vor den Göttern – ob sie zur Hoffnung oder zum Pessimismus Anlass geben – den Menschen zum „Sklaven von grausamen Herren, an deren Allmacht leider er glaubt“.[20] Stattdessen will Lukrez in dieser Geschichte vom Niedergang des Imperiums und der Katastrophe zeigen, dass es nur diese spezifische Lebensform ist – und nicht das Leben als solches – das aufhört, wenn das athenische Imperium zu Ende geht. Er besteht darauf, dass „auch das Weltall ganz aus demselbigen Stoffe bestehen“ muss, „der entsteht und wieder vergehet“,[21] ohne auch nur für einen Moment anzudeuten, dass das Universum als solches aufhören würde zu existieren.

Er beschreibt es wie folgt: Es gibt Atome, die regellos herumfliegen. Einige dieser Atome verursachen Krankheit und Tod. Zufällig versammeln sie sich in den Migrationsflüssen von der Peripherie in die Stadt. Das Universum wird auf molekularer Ebene verwandelt, die aleatorische Bewegung der Atome setzt sich fort. Die Abweichung oder Kurve, die ein Atom auf das andere prallen lässt oder mehr, kann nicht völlig vorhergesagt oder kanalisiert werden. Doch sie kann alles verändern.

 



[1] Für diese Auseinandersetzung mit Prekarität siehe Mitropoulos, Angela: „Precari-Us?“, in: Berry Slater, Josephine (Hg.): The Precarious Reader, London 2005, S. 12–18; auch in: transversal: „Precariat“, Marz 2005, http://eipcp.net/transversal/0704/mitropoulos/en (aufgerufen: 15. 2. 2011); für die deutsche Übersetzung vgl. „Prekär – Wir?“, übers. von Michael Sander und Thomas Atzert, http://www.05.diskursfestival.de/pdf/symposium_thinking_atzert_1.de.pdf (aufgerufen: 15. 2. 2011).

[2] Vgl. Negri, Antonio: Marx Beyond Marx: Lessons on the Grundrisse, New York 1991; Tronti, Mario: Operai e Capitale, Turin 1966; Bologna, Sergio: „The Tribe of Moles“, in: Lotringer, Sylvère und Marazzi, Christian (Hg.): Italy: Autonomia. Post-Political Politics, New York 1980, S. 36–61.

[3] Für eine Analyse des Familienlohns siehe Mitropoulos, Angela, „Oikopolitics, and Storms“, in: The Global South, 2009, Nr. 1, S. 66–82.

[4] Vgl. Mitropoulos: „Precari-Us?“, in: The Precarious Reader, a.a.O.

[5] Vgl. Berlant, Lauren: „Nearly Utopian, Nearly Normal: Post-Fordist Affect in La Promesse and Rosetta“, in: Public Culture, 2007, Nr. 19, S. 273–301; sowie Grimm, Sabine und Ronneberger, Klaus: „Eine unsichtbare Geschichte der Arbeit – Interview mit Sergio Bologna“, in: Springerin, 2007, Nr. 1, http://www.springerin.at/dyn/heft.php?id=50&pos=1&textid=1904&lang=de (aufgerufen: 15. 2. 2011).

[6] Der Refrain des Liedes „Rule, Britannia!“ aus dem Maskenspiel Alfred (1740) von James Thomson und David Mallet, gleichsam inoffizielle Hymne Britanniens, lautet: „Herrsche, Britannia! Britannia, beherrsche die Wellen / Briten werden niemals Sklaven sein.“ (Anm. d. Übers.)

[7] Ross, Andrew: No-Collar: The Humane Workplace and Its Hidden Costs, Philadelphia 2003, S. 123.

[8] Vgl. Florida, Richard: The Rise of the Creative Class: And How It’s Transforming Work, Leisure, Community and Everyday Life, New York 2002; vgl. Mitropoulos, Angela: „The Social SoftWar“, in: Mute. Culture and Politics After the Net: „Web 2.0, Man’s Best Friendster“, 2007, Nr. 4, http://www.metamute.org/en/The-Social-SoftWar (aufgerufen: 15. 2. 2011).

[9] Internationaler Währungsfonds: Global Financial Stability Report, April 2005, S. 89, http://www.imf.org/External/Pubs/FT/GFSR/2005/01/index.htm (aufgerufen: 15. 2. 2011).

[10] Wald, Priscilla: Contagious Cultures, Carriers, and the Outbreak Narrative, Durham, London 2008, S. 80–81.

[11] Hardt, Michael und Negri, Antiono: Empire. Die neue Weltordnung, übers. von Thomas Atzert und Andreas Wirthensohn, Frankfurt/M., New York 2002, S. 149.

[12] Kullenberg, Christopher und Palmas, Karl: „Contagiontology“, in: Eurozine, 2009, http://www.eurozine.com/articles/2009-03-09-kullenberg-en.html (aufgerufen am 15. 2. 2011).

[13] Deleuze, Gilles und Guattari, Félix: Tausend Plateaus. Kapitalismus und Schizophrenie 2, übers. von Gabriele Ricke und Ronald Voullie, Berlin 1992, S. 329.

[14] Morris, Rosalind: „Rush/Panic/Rush: Speculations on the Value of Life and Death in South Africa’s Age of AIDS“, in: Public Culture, 2008, Nr. 2, S. 199–231, hier S. 209.

[15] Ebd.

[16] Vgl. Cooper, Melinda und Mitropoulos, Angela: „In Praise of Usura“, in: Mute. Cultue and Politics After the Net, 2009, Nr. 13, http://www.metamute.org/content/in_praise_of_usura (aufgerufen: 15. 2. 2011).

[17] Livius, Titus: Römische Geschichte, Buch IV-VI, hrsg. von Hans Jürgen Hillen, München, Zürich 1991, S. 181.

[18] Serres, Michel: Rome – The Book of Foundations, Stanford 1991, S. 240f.

[19] Vgl. Lukrez: Von der Natur, übers. von Hermann Diels, München 1991.

[20] Ebd., S. 238.

[21] Ebd., S. 244.