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01 2011
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Gouvernementale Prekarisierung

Isabell Lorey

Isabell Lorey

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Das Prekäre stellt in historisch unterschiedlicher Weise die Bedingung wie auch den Effekt von Herrschaft und Sicherheit dar. Es lässt sich im weitesten Sinne als Unsicherheit und Verletzbarkeit, als Verunsicherung und Gefährdung beschreiben. Das Pendant des Prekären ist gewöhnlich der Schutz, die politische und soziale Immunisierung gegen alles, was als Gefährdung erkannt wird.[1] Gegenwärtig allerdings befinden sich Prekäres und Immunes in postfordistischen Gesellschaften nicht mehr nur in einem Verhältnis des Gegensatzes, sondern mehr und mehr auch in einer Relation der Überlappung, ja sogar der tendenziellen Ununterscheidbarkeit. Grundlage für diese Entwicklung ist, dass Prekarisierung im Neoliberalismus nicht mehr als ein Phänomen der ‚Ausnahme’ wahrgenommen werden kann, sondern sich in einem Normalisierungsprozess befindet, der Regieren durch Unsicherheit ermöglicht.

Um diese Thesen zu entfalten, möchte ich drei Dimensionen des Prekären unterscheiden: das Prekärsein, die Prekarität und die gouvernementale Prekarisierung.

Das Prekärsein bezeichnet – und hier schließe ich mich den Überlegungen Judith Butlers an – eine ontologische Dimension von Leben und Körpern.[2] Mit Prekärsein ist keine anthropologische Konstante gemeint, kein transhistorischer Zustand des Mensch-Seins, sondern eine Bedingung, die menschlichen wie nicht-menschlichen Lebewesen zu eigen ist. Vor allem aber ist Prekärsein nichts Individuelles und nichts, das im philosophischen Sinne ‚an sich’ existiert; es ist jederzeit relational und deshalb in der nancyschen Tradition ein sozialontologisches „Mit-Sein“,[3] mit anderen prekären Leben. Prekärsein bezeichnet die Dimension eines existentiellen Gemeinsamen, eine nicht hintergehbare und damit nicht zu sichernde Gefährdetheit von Körpern, nicht nur weil sie sterblich, sondern gerade weil sie sozial sind. Das Prekärsein als prekäres Mit-Sein ist eine Bedingung jeden Lebens, die historisch und geografisch sehr unterschiedliche Variationen zeitigt.

Die zweite Dimension des Prekären, die Prekarität ist als Ordnungskategorie zu verstehen, die Effekte unterschiedlicher politischer, sozialer wie rechtlicher Kompensationen eines allgemeinen Prekärseins bezeichnet. Prekarität benennt die Rasterung und Aufteilung des Prekärseins in Ungleichheitsverhältnisse, die Hierarchisierung des Mit-Seins, die mit Prozessen des Othering einhergeht. Diese Dimension des Prekären fasst naturalisierte Herrschaftsverhältnisse, durch die Einzelnen die Zugehörigkeit zu einer Gruppe zugeschrieben oder verwehrt wird. Mit Prekarität sind gesellschaftliche Positionierungen der Unsicherheit gemeint, doch impliziert der Begriff weder Subjektivierungsweisen noch Handlungsmacht der Positionierten.

Die dritte Dimension des Prekären stellt die Dynamik der gouvernementalen Prekarisierung dar. Sie bezieht sich auf Regierungsweisen seit der Herausbildung industriekapitalistischer Verhältnisse und ist in okzidental modernen Gesellschaften historisch nicht zu trennen von bürgerlicher Selbstbestimmung. Gouvernementale Prekarisierung bedeutet nicht nur die Verunsicherung durch Erwerbsarbeit, sondern ebenso eine Verunsicherung der Lebensführung und damit der Körper. Prekarisierung als gouvernemental zu verstehen, ermöglicht es, die komplexen Wechselwirkungen eines Regierungsinstruments mit ökonomischen Ausbeutungsverhältnissen sowie Subjektivierungsweisen in ihrer Ambivalenz zwischen Unterwerfung und Ermächtigung zu problematisieren. Mit einer gouvernementalen Perspektive kann Prekarisierung nicht nur in ihren repressiven, rasternden Formen betrachtet werden, sondern ebenso in ihren ambivalent produktiven Momenten, wie sie über Techniken der Selbstregierung entstehen.

Keine der drei Dimensionen tritt einzeln auf, sondern in historisch unterschiedlichen Verhältnissetzungen. Grundsätzlich lässt sich über die Relationalität zwischen Prekärsein und Prekarität sagen, dass dadurch unterschiedliche Formen von Herrschaft evoziert werden. Die sozialontologische Ebene wird als Bedrohung konstruiert, vor der eine politische Gemeinschaft manche schützen, immunisieren muss. Zur Legitimation des Schutzes mancher braucht es in der Regel eine Rasterung der Prekarität von als ‚anders’ Markierten. Dies zeichnet noch im besonderen Maße liberale Gouvernementalität aus. Das bedrohliche Prekärsein kann in die Konstruktion gefahrvoller Anderer gewendet werden, die entsprechend innerhalb und außerhalb der politischen und sozialen Gemeinschaft als ‚Anormale’ und ‚Fremde’ positioniert werden. Im Neoliberalismus befindet sich Prekarisierung in einem Normalisierungsprozess, in dem zwar liberale Ordnungsmuster der Prekarität modifiziert weiterbestehen, doch das existenzielle Prekärsein lässt sich nicht mehr gänzlich durch die Konstruktion bedrohlicher Anderer verschieben und als Prekarität abwehren; es aktualisiert sich vielmehr in der individualisierten gouvernementalen Prekarisierung der neoliberal Normalisierten.

 
Die Aufteilung des Prekärseins als differenzielle Verteilung der Prekarität

Wie lässt sich zunächst auf einer theoretisch/systematischen Ebene die Relationalität von Prekarität als Ungleichheitsverhältnis und existenziellem Prekärsein verstehen? In ihrem Buch Frames of War bietet Judith Butler Überlegungen dazu an. Sie verfolgt nach dem Essayband Precarious Life weiterhin die politisch-philosophische Frage, wann ein Leben als zu betrauerndes und damit als lebenswert gilt. Obwohl ihr ontologischer und existenzieller Begriff von precariousness, der von Emmanuel Levinas inspiriert ist, bereits 2005 durch Brett Neilson und Ned Rossiter Eingang in die Diskussionen um Prekarisierung als politisches Konzept gefunden hat,[4] lässt sich die Anschlussfähigkeit ihrer Überlegungen erst in Frames of War ermessen. Leider macht die deutsche Übersetzung von precariousness/ precarious als „Gefährdetheit“ und „gefährdet“ die Verbindung zu internationalen Debatten zum Prekären unsichtbar.[5]

Auf nur wenigen Seiten führt Butler in der Einleitung zu Frames of War neben precariousness erstmals einen zweiten Begriff ein: den der precarity,[6] und sie übernimmt damit gleichsam jenen – auch im Englischen erst zu etablierenden – Neologismus, der seit einigen Jahren vor allem in den politisch-theoretischen und aktivistischen Diskursen zu Prekarisierung benutzt wird.[7]

Butler konzipiert das allgemeine Prekärsein des Lebens, die Verletzlichkeit des Körpers nicht einfach als Bedrohung oder als Gefahr, vor der unbedingt geschützt werden muss. Sie plädiert dafür, nicht die Angst vor dem Prekärsein zu reproduzieren und damit traditionelle moderne Herrschaftslogiken zu stützen, sondern im Gegenteil die fehlende Anerkennung des grundsätzlich prekären Lebens als Ausgangspunkt für die Analyse von Herrschaftsverhältnissen zu setzen.

Precariousness als existenzielles Prekärsein bezeichnet das, was Leben im Allgemeinen – menschliches wie nicht-menschliches – ausmacht. Butler formuliert eine Ontologie, die nicht losgelöst von sozialen und politischen Bedingungen verstanden werden kann. Diese Bedingungen ermöglichen historisch spezifische Seinsweisen, machen das Überleben von Körpern in bestimmter Weise möglich, die ohne die Einbettung in soziale, politische und rechtliche Verhältnisse nicht überlebensfähig wären. Und zugleich sind es genau diese Verhältnisse oder Bedingungen, die Leben gefährden. Deshalb gilt es, so Butler, die politischen Entscheidungen und sozialen Praxen zu fokussieren, durch die manche Leben geschützt werden und andere nicht.

Prekärsein wird mit der Geburt extensiv, denn bereits das erste Überleben hängt von sozialen Netzwerken ab, von Sozialität und Arbeit anderer. Die grundlegende soziale Abhängigkeit eines Lebewesens aufgrund seiner Verletzbarkeit, aufgrund der Unmöglichkeit eines gänzlich autonomen Lebens, verdeutlicht auch – über Butler hinausgehend – die eminente Bedeutung von reproduktiver Arbeit. Leben hängt, weil es prekär ist, in entscheidendem Maße von Sorge und Reproduktion ab.

Prekärsein ist also keineswegs individuell; es bezeichnet die mit anderen geteilte, gemeinsame existenzielle Verletzbarkeit, jene Bedingung, die uns mit anderen verbindet. Zugleich ist die geteilte precariousness jene Kondition, die uns den Anderen aussetzt, die jeden Körper, jedes Leben in einer grundlegenden Weise von anderen abhängig macht. Diese soziale Interdependenz kann sich sowohl als Sorge und Fürsorge als auch als Gewalt äußern. Anders formuliert: Körper sind, weil sie prekär und damit endlich sind, von etwas außerhalb ihrer selbst, „von anderen, von Institutionen und von abgesicherten und sichernden Umwelten“[8] abhängig. Ohne Schutz, ohne Sicherung kann kein Leben überleben, und zugleich und trotzdem bleibt es immer dem Risiko und der Gefahr des Todes ausgesetzt. „Kein noch so starker Wille und kein noch so großer Wohlstand können die Möglichkeit ausschließen, dass ein lebendiger Körper Unfälle oder Krankheiten erleidet“.[9]

Die Annahme, das Leben müsste oder könnte gar, weil es prekär und gefährdet, weil es einer existenziellen Verletzbarkeit ausgesetzt ist, rechtlich oder auf welche Weise auch immer gänzlich geschützt und abgesichert werden, ist nichts als eine Fantasie der Omnipotenz. Lebende Körper sind niemals vollständig zu schützen, gerade weil sie stets sozialen und politischen Bedingungen ausgesetzt sind, unter denen das Leben prekär bleibt. Die Bedingungen, die das Leben ermöglichen, sind zugleich genau jene, die es als prekäres bewahren. Nur eine Ontologie, die Interdependenzen in den Blick nimmt, und nicht eine „ontology of individualism“[10] ist demnach in der Lage, das Prekärsein des Lebens ohne Abwehrreflexe zu erkennen und anzuerkennen.[11]

Butler unterstreicht die Relationalität zwischen Prekärsein, Prekarität und Herrschaft. Sie betont den Einschnitt, den die hobbessche Staatstheorie für die okzidentale Moderne bedeutet hat, nämlich die gemeinsam geteilte Gleichheit des Prekärseins in erster Linie als Bedrohung zu konzipieren: als Ver-/Beängstigung durch die Anderen und durch die mit ihnen geteilte Verletzbarkeit. [12] „Eben weil sich jeder Körper potenziell von anderen bedroht sieht, die per definitionem ihrerseits prekär sind, entstehen verschiedene Formen der Herrschaft.“[13] Herrschaft wendet das existenzielle Prekärsein in eine Angst vor verletzenden Anderen, die zum Schutz der so Bedrohten bereits präventiv abgewehrt und nicht selten vernichtet werden müssen.[14] Das mit anderen geteilte Prekärsein wird hierarchisiert, bewertet, und die prekären Leben werden aufgeteilt. Diese Aufteilung bedeutet im gleichen Moment die „differenzielle Verteilung“[15] von symbolischen und materiellen Unsicherheiten, die Butler „Prekarität“ [precarity] nennt. Prekarität als hierarchisierte Differenz in der Unsicherheit entsteht durch die Aufteilung, die Kategorisierung des gemeinsamen Prekärseins. Die Klassifizierung der sozialontologischen Gleichheit produziert Ungleichheit. Prekarität lässt sich mithin als ein funktionaler Effekt aus jenen politischen und rechtlichen Regulierungen verstehen, die gerade vor dem allgemeinen, dem existenziellen Prekärsein schützen sollten. Aus dieser Perspektive bedeutet Herrschaft die versuchte Absicherung mancher vor existenziellem Prekärsein, und zugleich basiert der privilegierte Schutz auf einer differenziellen Verteilung von Prekarität all derjenigen, die als anders und als weniger schützenswert betrachtet werden.  

 
Die Ambivalenz gouvernementaler Selbstregierung

Klären wir nun die Voraussetzungen, um zu verstehen, weshalb es zur Problematisierung und Analyse aktueller neoliberaler Formen von Prekarisierung nicht ausreichend ist, von Prekarität als Ungleichheit zu sprechen, sondern die unterschiedlichen Regierungsweisen berücksichtigt werden müssen, weshalb ich von gouvernementaler Prekarisierung spreche.

Foucault fasst unter liberaler Gouvernementalität jene Regierungstechniken, die sich zum Ende des 18. Jahrhunderts – gestützt auf die Pfeiler des Kapitalismus sowie der politischen und rechtlichen Selbstregierung der Bürger – in einigen europäischen Gesellschaften durchzusetzen beginnen. Moderne liberale Formen von Gouvernementalität zeichnen sich dadurch aus, dass die Regierbarkeit jeder und jedes Einzelnen einer Bevölkerung immer auch durch die Art und Weise, wie er oder sie sich selbst führt, möglich wird. Die Kunst des Regierens, so Foucault, besteht im Führen der Führungen. Die Macht des Regierens ist keine, die allein repressiv von oben ausgeführt wird. Liberales gouvernementales Regieren bedeutet vielmehr das handelnde Einwirken auf Handlungen anderer, auf die „Wahrscheinlichkeit von Verhalten“.[16] Die Einzelnen, die sich in Machtbeziehungen bewegen, die darin geführt und regiert werden, sind immer „handelnde Subjekte“:[17] Subjekte mit Handlungsmacht. Im Handeln partizipieren sie an der Weise, wie sie regiert werden. Moderne ‚Subjekte’ verkörpern liberal-demokratische Regierungsweisen durch Selbstregierung, durch die Art, wie sie leben. Partizipation ist der ‚Motor’ dieser gouvernementalen Biopolitik, doch nicht im herkömmlichen Sinn als politische Teilhabe, sondern als grundlegende Teilnahme durch Selbstregierung. Gerade dadurch, wie sie sich selbst führen, wie sie sich selbst regieren, werden die Einzelnen sozial, politisch und ökonomisch lenkbar und regulierbar. Die aktive Partizipation jeder/s Einzelnen an der Reproduktion von Regierungstechniken dient aber nie allein der Unterwerfung. Selbstführung muss nicht die herrschende Disziplin und Indienstnahme erfüllen. In der Ambivalenz zwischen Unterwerfung und Ermächtigung kann Selbstregierung stets auch immanente Kämpfe um die Art und Weise der Führung ermöglichen. [18] (Selbst-)Regierung auf Unterwerfungsmechanismen zu reduzieren, hieße diese Ambivalenz nicht wahrzunehmen und Widersprüchlichkeiten, soziale Kämpfe, Widerstandspotenziale zu unterschlagen. Liberale Gouvernementalität braucht nicht nur eine gewisse Form der Freiheit, sondern zugleich auch Mechanismen der Sicherheit.[19] Beide, die Freiheit wie die Sicherheit, verhindern wechselseitig ihre Absolutheit, Unsicherheit ist nicht zuletzt durch diese Dynamik liberalen Regierungsweisen immanent.

 
Prekarisierung als Regierungstechnik

Liberale Gouvernementalität basierte noch im Rahmen ihres sozialstaatlichens Paradigmas der Absicherung auf mehreren Formen der Prekarität als Ungleichheit durch Othering: einerseits auf der unbezahlten Arbeit von (Ehe-)Frauen im Reproduktionsbereich des Privaten, andererseits auf der Prekarität all jener, die aus dem nationalstaatlichen Kompromiss zwischen Kapital und Arbeit als Anormale, Fremde und Arme herausfielen sowie zugleich auf extremen Ausbeutungsverhältnissen in den jeweiligen Kolonien.[20] Die liberale Regierungsweise produziert Prekaritäten als ökonomische, soziale und rechtliche Ungleichheitsverhältnisse durch systematische Kategorisierungen und Hierarchisierungen nach ‚Körper’ und ‚Kultur’.

Zugleich fand ökonomische Subjektivierung und Selbstregierung ab dem 19. Jahrhundert in liberal-kapitalistischen Gesellschaften nicht unabhängig von sozialen Sicherungstechniken und -institutionen statt, die für immer mehr Menschen der nationalen Mehrheit soziale Unsicherheit minimieren und das Risiko von Erwerbslosigkeit, Krankheit, Unfall und sozialem Ausschluss kalkulierbar halten sollten.[21] Die Institutionen des Vorsorgestaats dienten indes nicht in erster Linie dem Schutz und der Sicherheit der Arbeitenden, sondern zur Unterstützung von ökonomisch produktiven Selbstregierungstechniken vorsorgender, gehorsamer Bürger, die sich selbst absicherten und zugleich andere prekarisierten.[22] Das mit allen geteilte Prekärsein wird in dieser gouvernementalen Dynamik zu beherrschen versucht, indem zugleich die gefahrvollen ‚Anderen’ als prekäre an den ‚Rändern’ gerastert und positioniert werden.

In gegenwärtigen postfordistischen Gesellschaften ist Prekarisierung als Prozess sozialer und ökonomischer Verunsicherung nicht mehr als gesellschaftliches Randphänomen zu verstehen, nicht mehr als ‚a-typisch’ oder ‚unnormal’. Prekarisierung ist auch hier längst in der sogenannten gesellschaftlichen Mitte angekommen. Prekäre Lebens- und Arbeitsverhältnisse normalisieren sich auf einer strukturellen Ebene und werden so zu einem wichtigen gouvernementalen Regierungsinstrument.

Infolge der Normalisierung von Prekarisierung leben wir gegenwärtig allerdings keineswegs in einer Unsicherheitsgesellschaft, sondern noch immer in einer Sicherheitsgesellschaft, allerdings in einer, die über Unsicherheit steuerbar wird. Der Staat zieht sich nicht aus allen ehemals grundlegenden Sicherungsinstitutionen zurück. Sicherheit im Neoliberalismus braucht allerdings nicht mehr den Umfang liberaler sozialstaatlicher Techniken des Schutzes. Der Staat beschränkt sich vielmehr zunehmend auf polizeiliche und militärische Sicherheitsdiskurse und -praktiken, die wiederum zunehmend mit Kontroll- und Überwachungstechniken operieren. [23] Auf staatlicher Ebene halten sich gerade politische und soziale Sicherungen die Waage: Je mehr soziale Absicherung minimiert wird und damit Prekarisierung zunimmt, desto mehr wird um eine Maximierung von innenpolitischer Sicherheit gefochten. Vor allem migrantische Andere müssen durch anpassende Integration demonstrieren, dass sie zum Kollektiv derjenigen gehören dürfen, die noch minimal abgesichert werden, ansonsten können sie zu einem Sicherheitsrisiko erklärt werden. Aber noch viel grundlegender verschiebt sich im Neoliberalismus das Dispositiv zwischen Freiheit und Sicherheit. Wenn (vor allem) innenpolitische Sicherheitsdiskurse mit normalisierter sozialer Unsicherheit korrelieren, dann bilden Freiheit und Unsicherheit das neue Paar neoliberaler Gouvernementalität: Freiheit wird nicht prinzipiell staatlich beschränkt, Unsicherheit nicht prinzipiell staatlich bekämpft, sondern beide werden zur ideologischen Voraussetzung für gouvernementale Prekarisierung.[24]

Der Normalisierungsprozess von Prekarisierung bedeutet keineswegs Gleichheit in der Unsicherheit, Ungleichheiten werden nicht abgeschafft. Die neoliberale Logik will aus gutem Grund keine Reduktion, kein Ende der Ungleichheit, weil sie mit hierarchisierten Differenzen spielt und auf deren Grundlage regiert. Doch der Fokus dieser Regierungslogik liegt nicht mehr in erster Linie auf der Regulierung festgesetzter identitärer Differenzen. Die Regierung der Unsicherheit reguliert primär die „absolute Armut“, die die Einzelnen tendenziell daran hindern könnte, das Spiel der Konkurrenz zu spielen.[25] Zugleich sind jene, die weiterhin und erneut durch rassifizierende oder ethnisierte Zuschreibungen als extrem bedrohlich und anders konstruiert werden, nach wie vor den ‚liberalen’ Mechanismen der Prekarität ausgesetzt.

 
Angst vor dem Prekärsein

In neoliberalem Regieren durch Prekarisierung als Verunsicherung tritt auf der Ebene der Selbstregierung eine besondere Subjektivierungsweise der Angst in den Vordergrund. Dies geschieht durch eine aktualisierte Konfrontation mit jener Dimension des Prekären, die ich ‚Prekärsein’ nenne. In der gegenwärtigen Dynamik gouvernementaler Prekarisierung wird die Unterscheidung zwischen einer abstrakten Angst vor einem existenziellen Prekärsein (davor, dass ein Körper, weil er sterblich ist, nicht unverletzbar gemacht werden kann) und einer konkreten Furcht in der politisch und ökonomisch induzierten Prekarisierung (vor Arbeitslosigkeit oder davor, auch mit Arbeit weder Miete noch Krankenversicherung zahlen zu können) immer schwieriger; die beiden negativen Sorgen überlappen sich. Paolo Virno schreibt darüber:

„Man kann von einer vollständigen Überlagerung von Furcht und Angst sprechen. Wenn ich die Arbeit verliere, habe ich zwar eine ganz bestimmte Gefahr zu gewärtigen, die eine spezifische Sorge auslöst; diese faktische Gefahr schlägt jedoch sofort in eine unbestimmte Angst um […]. Man könnte behaupten, die Furcht sei immer Angst, die begrenzte Gefahr enthülle immer die allgemeine Gefährlichkeit des In-der-Welt-Seins. […] [D]er Verlust des Arbeitsplatzes, die Innovation, die die Charakteristiken der Arbeitsvorgänge verändert, nehmen in sich viele Züge auf, die vormals den Ängsten zugeordnet wurden, die man außerhalb der Grenzen der Gemeinschaft empfand.“ [26]

Die Relationalität zwischen beängstigendem Prekärsein (vor dem eine politische Gemeinschaft schützen soll) und der Prekarität der bedrohlichen Anderen (wodurch deren Ausgrenzung legitimiert wird) ist nicht mehr in der Lage, soziale Sicherheit für die meisten ‚innerhalb’ der Gemeinschaft herzustellen. Die angstvolle Sorge um die existenzielle Verletzbarkeit ist im Neoliberalismus für viele immer weniger zu unterscheiden von einer Furcht, die durch Prekarisierung entsteht. Es gibt keinen nahezu verlässlichen Schutz mehr vor dem Unvorhersehbaren, Unplanbaren, der Kontingenz. Durch den Ab- und Umbau kollektiver Sicherungssysteme verschwindet jede Form der Unabhängigkeit angesichts der Gefahren des Prekärseins wie der Prekarisierung; auch diejenigen, die bisher auf Kosten von nationalen und globalen Anderen abgesichert waren, verlieren den sozialen Schutz. Von allen, unabhängig von Geschlecht und Herkunft, wird nun ein individualisiertes Risikomanagement gefordert, mit dem in unterschiedlichen Weisen ein nicht abzusicherndes Prekärsein aktualisiert werden kann. Die Überlagerung der Angst vor dem Prekärsein und der Furcht in der Prekarisierung zeigt sich in der Zumutung der Privatisierung von Risiken. Die neue Qualität der Unsicherheit entsteht nicht zuletzt durch den Abbau von Arbeitsrechten, den Umbau des Sozial-, Gesundheits- und Bildungssystems bis hin zur eigenverantwortlichen Prävention vor Krankheit sowie vor Lohn- und Rentenausfall. Infolgedessen ist eine neoliberal individualisierte Selbstregierung und Selbstverantwortung zum Teil auf neue Weise mit existenziellem Prekärsein konfrontiert. In der Kopplung mit sozialer, politischer und ökonomischer Prekarisierung bedeutet die Privatisierung von Risiken und deren Prävention für viele nichts anderes als die Individualisierung des Prekärseins.

In der neoliberalen Dynamik gouvernementaler Prekarisierung wird gerade durch die Angst, existenzieller Verletzbarkeit ausgeliefert zu sein, die Illusion der individuellen Sicherung aufrecht erhalten. Durch den permanenten Wettlauf um die erhoffte bessere Sicherung des eigenen Lebens und jene des sozialen Nahbereichs gegenüber konkurrierenden Anderen wird ausgeblendet, dass ein nachhaltig besseres Leben keine individuelle Angelegenheit sein kann. In den gouvernementalen Subjektivierungen werden die Anforderungen eines präventiven, individualistischen Selbstschutzes, dieser Selbst-Immunisierung in der Prekarisierung allerdings eher affirmiert als infrage gestellt. Soziale Praxen, die sich nicht allein auf das Selbst und das Eigene richten, sondern das Zusammenleben und das gemeinsame politische Handeln im Blick haben, treten mehr und mehr in den Hintergrund und werden als gelebte Realität immer unvorstellbarer.

Zugleich – diverse postoperaistische TheoretikerInnen haben darauf hingewiesen – macht gerade die gegenwärtige Transformation von Arbeit die Verbindung mit/zu anderen produktiv. Diese Transformation von Arbeit ist nicht ausschließlich durch eine anwachsende Kapitalisierung des sozialen Lebens gekennzeichnet, sondern im (affektiven) Kontakt mit anderen auch durch die Produktion neuer Sozialitäten.[27] Affektive Arbeiten im engeren Sinn sind allerdings häufig prekär und führen auch deshalb nicht zur Aufwertung von Sorgearbeit – im Gegenteil bleibt Fürsorge- und Pflegearbeit weitgehend in der Zuständigkeit von Frauen und erweist sich als auf neue Weisen ökonomisch und ethnisch differenziert und hierarchisiert sowie oft transnational organisiert.[28]

 
Gemeinsam Werden

Die Ausweitung von Prekarität statt deren Minimierung bedeutet Butler zufolge, dass die ontologische Gleichheit des Prekärseins nicht anerkannt wird und damit keinen affirmativen Ausgangspunkt von Politik darstellt. Butler ruft deshalb vor allem linke Politik dazu auf, das gemeinsam geteilte Prekärsein anzuerkennen und daran normative Verbindlichkeiten von rechtlicher Gleichheit und universellen Schutz-Rechten auszurichten, um die Ungleichheit in der Prekarität zu minimieren.[29]

Die Anerkennung des gemeinsam geteilten Prekärseins könnte dann mit der Anerkennung der Verbundenheit mit anderen einhergehen und damit – das ist der nächste Schritt, den Butler nicht in der Weise betont – mit der Aufwertung von Sorge- und Reproduktionsarbeit. Damit würde die Verbundenheit mit anderen, die nicht hintergehbare Sozialität zur Grundlage des Politischen und nicht eine individualisierte Unabhängigkeit, die die negativ konnotierte Abhängigkeit von anderen abwehren muss.

Doch ist es ausreichend, in der juridischen Logik zu verbleiben und Schutzrechte zu fordern sowie die Anerkennung eines allen gemeinsamen ontologischen Prekärseins? Braucht es nicht auch das Aufbrechen der Binarität von Sicherheit und Schutz auf der einen und dem bedrohlichen Prekären auf der anderen Seite?

Butlers Verhältnissetzung berücksichtigt noch nicht systematisch und nur am Rande Praxen der Selbstregierung und politische Kämpfe. Prekärsein als Ontologie und Prekarität als identitäre Positionierung unterstreichen in erster Linie die Aspekte des Ausgeliefertseins und der Unterwerfung. Prekarisierung geht allerdings darüber hinaus und ist in ihrer gouvernementalen Dimension ausgesprochen produktiv: sowohl als Regierungsinstrument und als ökonomisches Ausbeutungsverhältnis als auch als nicht nur unterwerfende, sondern überdies unkalkulierbare und potenziell ermächtigende Selbstregierung.

Wenn Prekarisierung zu einem Regierungsinstrument der Normalisierung geworden ist und damit als Gruppen und Schichten übergreifende Existenzweise verstanden werden muss, setzt sich auch in den europäischen Bewegungen der Prekären, wie der EuroMayDay-Bewegung oder den Intermittents in Frankreich,[30] immer wieder die Überzeugung durch, dass soziale und politische Kämpfe sich nicht an separierenden und hierarchisierenden Differenzierungen beteiligen sollten. Gerade vor dem Hintergrund sehr differenter prekärer Existenzweisen der AktivistInnen entstehen unterschiedliche Bündnisse zwischen prekären KulturproduzentInnen, WissensarbeiterInnen, MigrantInnenorganisationen, Arbeitsloseninitiativen, Organisierungen von illegalisierten Personen oder auch Gewerkschaften. Um die vielfältigen Prekären nicht erneut zu segmentieren, zu separieren und zu individualisieren, haben sich die kritischen Diskurse und widerständigen Praxen im Kontext von Prekarisierung im vergangenen Jahrzehnt immer wieder auf das konzentriert, was den Prekären in aller Differenz gemeinsam ist. Nicht selten wurden alternative Praxen der Wissensproduktion wie die „militante Untersuchung“ dafür eingesetzt, um den „unterirdischen und häufig unsichtbaren Faden des Unbehagens und der täglichen Aufstände“ zu erforschen und die Produktivität prekärer Lebens- und Arbeitsverhältnisse zur Veränderung von Regierungsweisen zu nutzen, um sie gemeinsam zu verweigern und ihnen zu entgehen.[31] Die alltäglichen Widerstandspraxen wie die politischen Kämpfe der Prekären haben das Potenzial, sich nicht mehr zur Sicherung mancher gegen bedrohliche Andere aufteilen und verteilen zu lassen. Ihr Gemeinsam-Werden erschöpft sich nicht im Konstatieren von sozialontologischer Gleichheit, sondern ist begleitet von permanenten Auseinandersetzungen darüber, was als Gemeinsames gelten kann.[32]

 

  


[1] Zu den unterschiedlichen herrschaftssichernden Dynamiken von Schutz und Bedrohung, die ich in der Begrifflichkeit der Immunisierung fasse, siehe Lorey, Isabell: Figuren des Immunen. Elemente einer politischen Theorie, Zurich 2011.

[2] Ich benutze im Deutschen den Begriff ‚Prekärsein’, wo Butler im Englischen precariousness einsetzen würde. Vgl. Butler, Judith: Frames of War. When is Life Grievable?, London, New York 2009; sowie Butler, Judith: Precarious Life. The Powers of Mourning and Violence, London, New York 2004.

[3] Nancy, Jean-Luc: singulär plural sein, übers. von Ulrich Müller-Scholl, Berlin 2004.

[4] Neilson, Brett und Rossiter, Ned: „From Precarity to Precariousness and Back Again: Labour, Life and Unstable Networks“, in: Fibreculture, 2005, Nr. 5, http://journal.fibreculture.org/issue5/neilson_rossiter.html (aufgerufen: 15. 2. 2011); Neilson, Brett and Rossiter, Ned: „Precarity as a Political Concept, or, Fordism as Exception“, in: Theory, Culture & Society, 2008, Nr. 7–8, S. 51–72.

[5] Vgl. Butler, Judith: Raster des Krieges. Warum wir nicht jedes Leid beklagen, übers. von Reiner Ansen, Frankfurt/M., New York 2010; und bereits Precarious Life als Butler, Judith: Gefährdetes Leben. Politische Essays, übers. von Karin Wordemann, Frankfurt/M. 2005.

[6] Butler, Judith: „Precarious Life, Grievable Life“, in: Dies.: Frames of War. When is Life Grievable?, London, New York 2009, S. 1–32, hier S. 23–32; siehe auch das Interview Butler, Judith und Engel, Antke: „Politics under Conditions of Precariousness and Violence“, in: Gržinić, Marina und Reitsamer, Rosa (Hg.): New Feminism. Worlds of Feminism, Queer and Networking Conditions, Wien 2008, S. 135–146.

[7] In den Diskussionen im Kontext der europäischen Bewegung der Prekären wird im Deutschen nicht allein der Begriff der ‚Prekarisierung’ verwendet, oft auch synonym dazu, ohne die hier aufgefaltete Begriffsdifferenzierung, ‚Prekarität’ oder auch ‚Prekariat’.

[8] Butler, Judith: „Gefährdetes Leben, betrauerbares Leben“, in: Dies.: Raster des Krieges. Warum wir nicht jedes Leid beklagen, Frankfurt/M., New York 2010, S. 9–38, hier S. 29.

[9] Ebd., S. 36.

[10] Butler: „Precarious Life, Grievable Life“, in: Frames of War, a.a.O., S. 19.

[11] Vgl. ebd., S. 18–33.

[12] Vgl. auch Esposito, Roberto: Communitas. Ursprung und Wege der Gemeinschaft, übers. von Sabine Schulz und Francesca Raimondi, Berlin 2004.

[13] Butler: „Gefährdetes Leben, betrauerbares Leben“, in: Raster des Krieges, a.a.O., S. 36, veränd. Übers.

[14] Eine solche binäre Herrschaftssicherung habe ich an anderer Stelle als juridische Immunität bezeichnet. In dieser immunisierenden Dynamik werden die als Bedrohung konstruierten Prekären in ein ‚Außen’ abgewehrt. Die bedrohlichen Prekären können aber auch in der Dynamik der biopolitischen Immunisierung in eine politische Gemeinschaft hineingenommen und dadurch in ihrer Bedrohung neutralisiert und integriert werden – diese Dynamik des Immunen entspricht eher der normalisierten gouvernementalen Prekarisierung (vgl. Lorey: Figuren des Immunen, a.a.O.).

[15] Butler: „Precarious Life, Grievable Life“, in: Frames of War, a.a.O., S. 25ff.

[16] Foucault, Michel: „Subjekt und Macht“, übers. von Michael Bischoff, in: Ders.: Schriften in vier Bänden. Dits et Ecrits, Band IV: 1980–1988, Frankfurt/M. 2005, S. 269–294, hier S. 286.

[17] Vgl. ebd., S. 285.

[18] Vgl. u.a. Foucault, Michel: Was ist Kritik?, übers. von Walter Seitter, Berlin 1992.

[19] Vgl. Foucault, Michel: Geschichte der Gouvernementalität I: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, Vorlesung am Collège de France 1977–1978, übers. von Claudia Brede-Konersmann und Jurgen Schroder, hrsg. von Michel Sennelart, Frankfurt/M. 2004.

[20] Vgl. Mitropoulos, Angela: „Precari-Us?“, in: Berry Slater, Josephine (Hg.): The Precarious Reader, London 2005, S. 12–18; auch in: transversal: „Precariat“, Marz 2005, http://eipcp.net/transversal/0704/mitropoulos/en (aufgerufen: 15. 2. 2011); für die deutsche Übersetzung vgl. „Prekär – Wir?“, übers. von Michael Sander und Thomas Atzert, http://www.05.diskursfestival.de/pdf/symposium_thinking_atzert_1.de.pdf (aufgerufen: 15. 2. 2011). In der Positionierung der Anderen innerhalb liberaler Gouvernementalität ver/störte solch prekarisierte Devianz immer wieder die stabilisierende Dynamik zwischen Freiheit und Sicherheit und war häufig Auslöser für Gegen-Verhalten und Kämpfe.

[21] Vgl. Castel, Robert: Metamorphosen der sozialen Frage. Eine Chronik der Lohnarbeit, übers. von Andreas Pfeuffer, Konstanz 2000; Ewald, Francois: Der Vorsorgestaat, übers. von Wolfram Bayer und Hermann Kocyba, Frankfurt/M. 1993.

[22] Vgl. Foucault, Michel: Die Wahrheit und die juristischen Formen, mit einem Nachwort von Martin Saar, übers. von Michael Bischoff, Frankfurt/M. 2003, S. 110–125.

[23] Vgl. Deleuze, Gilles: „Postskriptum über die Kontrollgesellschaft“, in: Ders.: Unterhandlungen 1972–1990, übers. von Gustav Rosler, Frankfurt/M. 1993, S. 254–262; Legnaro, Aldo: „Konturen der Sicherheitsgesellschaft: Eine polemisch-futurologische Skizze“, in: Leviathan, 1997, Nr. 2, S. 271–284; Lemke, Thomas: „Dispositive der Unsicherheit im Neoliberalismus“, in: Widerspruch – Beiträge zur sozialistischen Politik, 2004, Nr. 46, S. 89–98.

[24] Vgl. auch Lorey, Isabell: „Vom immanenten Widerspruch zur hegemonialen Funktion. Biopolitische Gouvernementalität und Selbst-Prekarisierung von KulturproduzentInnen“, in: Raunig, Gerald und Wuggenig, Ulf (Hg.): Kritik der Kreativität, Wien 2007, S. 121–136.

[25] Lazzarato, Maurizio: Le gouvernement des inégalités. Critique de l’insécurité néolibérale, Paris 2008.

[26] Virno, Paolo: Grammatik der Multitude. Mit einem Anhang: Die Engel und der General Intellect, übers. von Klaus Neundlinger, eingel. von Klaus Neundlinger und Gerald Raunig, Wien 2005, S. 38f., Herv. i. O. Damit ist nicht gesagt, dass eine solche Überlappung historisch erstmalig festzustellen ware.

[27] Virno, Paolo: „Virtuosität und Revolution. Die politische Theorie des Exodus“, in: Ders.: Exodus, übers., eingel. und hrsg. von Klaus Neundlinger und Gerald Raunig, Wien 2010, S. 33–78; Lorey, Isabell: „Virtuosität zwischen Dienstbarkeit und Exodus. Postfordistische Öffentlichkeit, soziale Produktion und politisches Handeln“, in: FKW // Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur: „Das Private bleibt politisch“, 2010, Nr. 49, S. 11–23.

[28] Vgl. Caixeta, Luzenir u.a.: Hogares, Cuidados y Fronteras/Home, Care and Borders/Haushalt, Sorge und Grenzen, Madrid 2004; Gutierrez Rodriguez, Encarnacion: Migration, Domestic Work and Affect. A Decolonial Approach on Value and the Feminization of Labour, New York, London 2010; Precarias a la deriva: Was ist dein Streik?, übers. und eingel. von Birgit Mennel und Stefan Nowotny, Wien 2011.

[29] Vgl. Butler: „Precarious Life, Grievable Life“, in: Frames of War, a.a.O., S. 28f.

[30] Vgl. u.a. Raunig, Gerald: Tausend Maschinen. Eine kleine Philosophie der Maschine als sozialer Bewegung, Wien 2008, insbes. S. 67–82; sowie die Ausgabe des multilingualen Webjournals transversal: „Precariat“, Juli 2004; http://eipcp.net/transversal/0704 (aufgerufen: 15. 2. 2011); und Corsani, Antonella und Lazzarato, Maurizio: Intermittents et précaires, Paris 2008.

[31] Malo de Molina, Marta: „Gemeinbegriffe, Teil 1: ArbeiterInnenbefragung und ArbeiterInnen-Mituntersuchung, Selbsterfahrung“ (2004), übers. von Birgit Mennel, in: transversal: „Militante Untersuchung“, April 2006, http://eipcp.net/transversal/0406/malo/de (aufgerufen: 15. 2. 2011).

[32] Vgl. Lorey, Isabell: „Gemeinsam Werden. Prekarisierung als politische Konstituierung“, in: Grundrisse, 2010, Nr. 35, S. 19–25.